Fake-Profil erkennen
Vom StoryCheck Team · 5 Min. Lesezeit · Veröffentlicht am
Ein Fake-Profil erkennst du selten an einem einzelnen Detail, aber fast immer an einem Muster: gestohlene Fotos, eine Geschichte, die sich nicht überprüfen lässt, Ausreden beim Videoanruf und früher oder später eine Bitte um Geld. Mit drei Prüfungen klärst du das meist schnell: der Bildersuche, einem kurzen Videoanruf und einem Blick auf die Telefonnummer. Bei Verdacht meldest du das Profil der Plattform und in Österreich zusätzlich der Watchlist Internet.
Welche Warnzeichen tauchen fast immer auf?
| Warnzeichen | Wie es aussieht | Was du tust |
|---|---|---|
| Liebe im Eiltempo | Liebeserklärungen und Zukunftspläne nach wenigen Tagen, ohne dass ihr euch je getroffen habt | Tempo rausnehmen und ein Treffen oder einen Videoanruf vorschlagen |
| Zu perfekte Fotos | Wenige, auffallend schöne Bilder, keine Schnappschüsse mit Freunden oder von zu Hause | Die Fotos mit einer Bildersuche prüfen |
| Junges, leeres Profil | Erst wenige Tage alt, kaum Beiträge, Freunde aus vielen Ländern | Nach Namen und Details suchen, auch zusammen mit dem Wort Scam |
| Ein Beruf, der Abwesenheit erklärt | Laut Watchlist Internet geben sich Liebesbetrüger gern als Ärzte, Soldaten oder Piloten aus | Angaben zu Arbeitgeber und Einsatzort gegenprüfen |
| Seltsame Sprache | Standardisierte Nachrichten, holprige Übersetzungen, Antworten, die an der Frage vorbeigehen | Konkret nachfragen, etwa zu etwas aus deiner letzten Nachricht |
| Das Treffen platzt immer | Todesfall, Jobverlust oder Krankheit, jedes Mal kurz vor dem Termin | Kein weiteres Treffen planen, bevor ein Videoanruf geklappt hat |
| Geld, Gutscheine oder Anlagetipps | Eine Notlage, angebliche Gebühren oder ein „sicherer“ Tipp für eine Anlageplattform | Nichts zahlen. Genau darauf ist das ganze Profil angelegt |
Prüfung 1: Stammen die Fotos wirklich von dieser Person?
Gestohlene Fotos sind das häufigste Merkmal eines Fake-Profils. Speichere die Profilbilder und lade sie in Google Lens, Bing oder TinEye. Tauchen dieselben Bilder unter anderem Namen auf, auf Stockfoto-Seiten oder im Konto eines Models oder Influencers, wurden sie sehr wahrscheinlich kopiert. Such auch nach dem Namen und nach Details aus dem Profil, etwa dem angeblichen Arbeitgeber.
Bei StoryCheck fügst du ein Foto nach dem Kauf in deinem Bericht hinzu, der dann nach exakten und bearbeiteten Kopien sucht, ohne Gesichtserkennung. Mehr dazu bei der umgekehrten Bildersuche.
Prüfung 2: Klappt ein spontaner Videoanruf?
Ein kurzer, spontaner Videoanruf klärt mehr als hundert Nachrichten. Wer echt ist und Interesse hat, findet dafür fast immer ein paar Minuten. Kaputte Kamera, schlechtes Netz auf der Bohrinsel, strenge Regeln am Stützpunkt: Scheitert jede Anfrage an einer neuen Ausrede, ist das selbst schon die Antwort.
Weil sich Videos inzwischen fälschen lassen, lohnt sich eine spontane Bitte während des Gesprächs, etwa einen bestimmten Gegenstand in die Kamera zu halten oder den Kopf zur Seite zu drehen. Vorab aufgenommene oder künstlich erzeugte Videos tun sich mit so etwas schwer.
Wer es ehrlich meint, versteht, dass du vorsichtig bist. Reagiert jemand auf die Bitte um einen Videoanruf gekränkt, drängend oder mit Vorwürfen, sagt dir das mehr als jedes Foto.
Prüfung 3: Passt die Telefonnummer zur Geschichte?
Spätestens wenn das Gespräch auf WhatsApp wechselt, hast du eine Telefonnummer, und die verrät einiges. Wohnt jemand angeblich in Linz, schreibt aber von einer Nummer mit fremder Ländervorwahl, oder ist die Nummer ein VoIP-Anschluss, den man in Minuten anlegen kann, passt die Geschichte nicht zusammen.
Eine Rückwärtssuche zeigt die Anschlussart, ob die Nummer bei WhatsApp aktiv ist, samt Profilbild, wenn es sichtbar ist, dazu offen verknüpfte Profile und Risikosignale, jeweils mit Sicherheitsangabe. Die Person erfährt nichts davon. Ein unauffälliges Ergebnis ist kein Freibrief, aber ein Widerspruch zur erzählten Geschichte ist ein deutliches Warnzeichen.
Was tun, wenn es schon um Geld geht?
Kommt die Sprache auf Geldnot, brich den Kontakt ab, das rät auch die Watchlist Internet. Das gilt genauso für Gutscheincodes, Krypto und den angeblich sicheren Anlagetipp.
- Nichts mehr überweisen, auch nicht, um angeblich früher bezahltes Geld zurückzubekommen.
- Chats, Profile, Screenshots und Überweisungsbelege sichern.
- Sofort die Bank anrufen, wenn schon Geld geflossen ist.
- Anzeige bei der Polizei erstatten, das geht in jeder Polizeidienststelle in Österreich.
- Das Profil der Plattform melden und die Masche der Watchlist Internet.
- Mit jemandem reden: Die Telefonseelsorge erreichst du Tag und Nacht unter 142, sie berät auch per Chat.
Wie solche Maschen typischerweise ablaufen, zeigt der Ratgeber Love-Scam erkennen.
Und wenn deine eigenen Fotos in einem Fake-Profil stecken?
Stößt du auf ein Profil mit deinen Fotos, melde es der Plattform als Fake-Konto oder Identitätsdiebstahl. Die Internet Ombudsstelle empfiehlt dafür die eigenen Meldeformulare der Plattformen und hilft mit „Mein Bild im Netz“ kostenlos weiter, wenn Fotos von dir ohne Erlaubnis im Internet stehen. Sichere vorher Screenshots mit Datum.
Die Sorge um Bilder im Netz ist in Österreich verbreitet: 29 % der Menschen, die zwischen Juli und September 2026 auf StoryCheck eine Nummer geprüft haben, nannten intime Bilder im Netz als das, was ihnen am wichtigsten war.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich, ob ein Profilbild gestohlen ist?
Lade das Bild in eine Bildersuche wie Google Lens, Bing oder TinEye. Taucht dasselbe Foto unter anderen Namen, auf Stockfoto-Seiten oder bei einem Model oder Influencer auf, wurde es sehr wahrscheinlich kopiert.
Ist ein Profil mit Häkchen automatisch echt?
Nicht automatisch. Ein Verifizierungs-Häkchen bestätigt meist nur, dass die Fotos zu der Person passen, die sich verifiziert hat, nicht ihre Absichten. Die übrigen Warnzeichen gelten trotzdem, vor allem jede Bitte um Geld.
Was, wenn die Person keinen Videoanruf will?
Ein einmaliges Nein kann Gründe haben, eine Ausrede nach der anderen nicht. Plan kein Treffen und schick kein Geld, bevor ein spontaner Videoanruf geklappt hat.
Wo melde ich ein Fake-Profil in Österreich?
Zuerst bei der Plattform selbst, über ihre Meldefunktion. Betrugsmaschen meldest du zusätzlich der Watchlist Internet, und wenn Geld geflossen ist, erstattest du Anzeige bei der Polizei. Werden deine eigenen Fotos missbraucht, hilft die Internet Ombudsstelle.
Erfährt die Person, dass ich ihre Nummer geprüft habe?
Nein. Die Prüfung ist privat, es wird kein Anruf und keine SMS gesendet, und die Person erhält keinerlei Hinweis. Das gilt auch für die Bildersuche.
Verwandte Ratgeber
Finde heraus, wer wirklich hinter der Nummer steckt
Die Prüfung ist privat und dauert etwa 60 Sekunden. Die Person erhält keine Benachrichtigung und erfährt nichts davon.
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