Love Scam erkennen
Vom StoryCheck Team · 5 Min. Lesezeit · Veröffentlicht am
Einen Love Scam erkennst du am Muster: Eine Online-Bekanntschaft spricht sehr schnell von Liebe, lebt angeblich im Ausland, weicht Treffen und Videoanrufen aus und braucht irgendwann Geld für eine Notlage oder empfiehlt dir eine Anlageplattform. Das österreichische Bundeskriminalamt rät, kein Geld zu überweisen, keine Ausweiskopien zu schicken und nach der Person und ihrem Foto mit dem Zusatz „Scammer“ im Internet zu suchen.
Wie läuft ein Love Scam ab?
Meist beginnt es mit einer Chat-Anfrage über soziale Netzwerke oder eine Dating-Plattform, oft auf Englisch. Die Person stellt sich laut Bundeskriminalamt gern als Arzt, Soldat, Pilot oder Arbeiter auf einer Bohrinsel vor, oder als attraktive junge Frau, die im Ausland arbeitet. Es wird stundenlang geschrieben und telefoniert, Videoanrufe fallen weitgehend aus, und bald ist von Heirat die Rede. Ein Treffen kommt nie zustande, weil immer etwas dazwischenkommt. Das Bundeskriminalamt beschreibt, wie daraus Schritt für Schritt Abhängigkeit wird:
- Aufmerksamkeit: viel Lob, viele Komplimente, das Gefühl, endlich verstanden zu werden.
- Vertrauen: persönliche Geschichten, Sorgen und gemeinsame Zukunftspläne.
- Abschottung: Familie und Freunde würden das Besondere an dieser Beziehung nicht verstehen.
- Geld: eine Notlage, Kosten für Reise, Visum oder Spital, erst kleine Beträge, dann größere, oft per Bargeldtransfer. Manchmal schicken die Täter selbst Geld und bitten, es an ein anderes Konto weiterzuleiten.
Geld weiterleiten ist kein Liebesdienst. Wer fremdes Geld über das eigene Konto weiterschickt, kann sich strafbar machen, im schlimmsten Fall wegen Geldwäscherei nach § 165 Strafgesetzbuch. Brich den Kontakt ab und sprich mit deiner Bank.
Die Anlage-Variante: Pig Butchering
Besonders teuer wird eine Variante, die gar kein Geld für eine Notlage will, sondern dass du investierst. Beim Pig Butchering baut jemand über Social Media oder eine Dating-Plattform Vertrauen auf und lenkt das Gespräch dann auf eine angeblich lukrative Anlage, meist in Kryptowährung. Die Plattform ist eine Fälschung, die Gewinne im Konto sind nur simuliert, und wer auszahlen will, stößt auf immer neue Gebühren und Bedingungen. Laut der polizeilichen Anzeigenstatistik 2025 gehört Pig Butchering zu den am häufigsten gemeldeten Maschen im Internetbetrug. Auf den digitalen Anlagebetrug, zu dem solche Plattformen gehören, entfielen 2025 mehr als 26 Prozent des bekannt gewordenen Schadens aller Betrugsdelikte, bei nur etwas mehr als 4 Prozent der Anzeigen.
Vor jeder Einzahlung gilt deshalb: Prüf auf der Website der Finanzmarktaufsicht, ob die Plattform zugelassen ist oder ob es eine Warnung gibt. Zugelassene Online-Broker nehmen laut Bundeskriminalamt nie von sich aus Kontakt auf, kommunizieren nicht über WhatsApp und greifen nicht per Fernwartung auf deine Geräte zu.
Was kannst du bei einer Online-Bekanntschaft prüfen?
| Prüfung | Was sie zeigt | Wo sie an Grenzen stößt |
|---|---|---|
| Profilfoto rückwärts suchen | Ob das Bild anderswo unter einem anderen Namen auftaucht, etwa bei einem Model | Ein Foto, das nie veröffentlicht wurde, hinterlässt keine Spur |
| Name und Foto mit „Scammer“ suchen | Ob andere schon vor dieser Person gewarnt haben | Fehlt eine Warnung, heißt das noch nichts |
| Einen spontanen Videoanruf verlangen | Ob die Person wirklich die auf den Fotos ist | Laut Watchlist Internet setzen Täter zunehmend Deepfakes ein, kurze Videoclips sind kein Beweis |
| Telefonnummer prüfen | Land und Anschlussart, ob die Nummer auf WhatsApp aktiv ist, das sichtbare Profilbild und offen verknüpfte Profile | Kein Beweis für Ehrlichkeit, kein Einblick in Chats oder Dating-Apps |
| E-Mail-Adresse prüfen | Verknüpfte Konten, Spuren in Datenlecks und ob die Adresse neu oder ein Wegwerfdienst ist | Eine neue Adresse allein ist noch kein Betrug |
| Anlageplattform bei der FMA prüfen | Ob der Anbieter zugelassen ist oder eine Warnung vorliegt | Fehlt eine Warnung, ist ein Anbieter deshalb noch nicht seriös |
Die Fotosuche erledigst du mit der umgekehrten Bildersuche, Nummer und E-Mail-Adresse mit einer Rückwärtssuche oder der E-Mail-Prüfung. Woran sich ein falsches Profil sonst verrät, steht bei Fake-Profil erkennen.
Was eine Prüfung nicht kann: StoryCheck sucht nicht in Dating-Apps wie Tinder, Bumble, Lovoo oder Parship, liest keine Chats und sieht keine privaten Konten. Geprüft werden öffentlich zugängliche und lizenzierte Informationen zu einer Nummer oder E-Mail-Adresse, als mögliche Treffer mit einer Sicherheitsangabe. Die Person erfährt nichts davon.
Schon Geld überwiesen: Was jetzt?
- 1
Kontakt abbrechen
Keine Antwort mehr, auch nicht auf neue Notfälle oder Vorwürfe. Das Bundeskriminalamt rät, auf keine weiteren Kontaktaufnahmen zu reagieren.
- 2
Sofort die Bank anrufen
Je schneller, desto eher lässt sich eine Überweisung vielleicht noch stoppen. Keine weiteren Zahlungen, keine Pakete weiterleiten, keine Fotos oder Dokumente mehr schicken.
- 3
Beweise sichern
Screenshots von Profil und Chats, Namen, Telefonnummern und Überweisungsbelege. Die brauchst du für die Anzeige.
- 4
Anzeige erstatten und Profil melden
Anzeige in der nächsten Polizeiinspektion, das Profil bei der Dating-App oder Plattform melden. Die Watchlist Internet sammelt solche Fälle über ihr Formular „Scam melden“.
- 5
Vorsicht vor Rückholern
Wer später anbietet, dein Geld gegen eine Gebühr zurückzuholen, kann laut Bundeskriminalamt der nächste Betrüger sein, das nennt sich Recovery Scam. Behörden verlangen nie Steuern oder Gebühren, um verlorenes Geld zurückzuholen.
Wenn jemand, den du liebst, betroffen ist
Vorwürfe helfen nicht, sie treiben Betroffene nur tiefer in die falsche Beziehung. Das Bundeskriminalamt rät Angehörigen, ruhig zu fragen statt zu belehren, etwa: Warum hat diese Person noch nie ein Treffen möglich gemacht? Was würdest du einer Freundin raten, die dir dieselbe Geschichte erzählt? Bleib in Kontakt, auch wenn die Einsicht nicht sofort kommt, unterstütz keine weiteren Zahlungen und zieh eine Beratungsstelle bei. Love Scam ist, so das Bundeskriminalamt, keine Frage von Intelligenz oder Bildung. Reden hilft auch den Betroffenen selbst: Die Telefonseelsorge ist unter 142 erreichbar, der Opfer-Notruf unter 0800 112 112.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich einen Love Scammer?
An der Kombination: sehr schnelle Liebeserklärungen, ein Wohnort im Ausland, ein Beruf, der Reisen angeblich unmöglich macht, keine Treffen und kaum Videoanrufe. Spätestens die Bitte um Geld, Gutscheine oder eine Investition ist laut Bundeskriminalamt und Watchlist Internet das klarste Zeichen.
Ist ein Videoanruf ein sicherer Beweis, dass die Person echt ist?
Nicht mehr ganz. Die Watchlist Internet berichtet, dass Liebesbetrüger zunehmend Deepfake-Videos einsetzen. Ein spontaner, längerer Live-Anruf ist aussagekräftiger als kurze Clips, und eine Bitte um Geld bleibt auch nach einem Videoanruf ein Warnzeichen.
Mein Kontakt schickt mir Geld und bittet mich, es weiterzuleiten. Darf ich das?
Lass es. Das Bundeskriminalamt nennt genau das als Masche von Liebesbetrügern, und wer fremdes Geld weiterleitet, kann sich wegen Geldwäscherei strafbar machen. Überweis nichts weiter und informier deine Bank.
Wo melde ich einen Love Scam in Österreich?
Anzeige erstattest du in jeder Polizeiinspektion, am besten mit gesicherten Chats und Belegen. Das Profil meldest du bei der Plattform, den Fall zusätzlich der Watchlist Internet über „Scam melden“.
Kann StoryCheck herausfinden, ob die Person auf Dating-Apps ist?
Nein, keine seriöse Suche kann in Dating-Apps hineinschauen. StoryCheck zeigt öffentlich zugängliche Spuren zu einer Nummer oder E-Mail-Adresse, etwa das WhatsApp-Profilbild, wenn es sichtbar ist, oder offen verknüpfte Profile, als mögliche Treffer. Die Person erfährt nichts von der Prüfung.
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Finde heraus, wer wirklich hinter der Nummer steckt
Die Prüfung ist privat und dauert etwa 60 Sekunden. Die Person erhält keine Benachrichtigung und erfährt nichts davon.
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