Rückwärtssuche

Falsche Polizisten und Behörden am Telefon: So erkennst du den Betrug

Vom StoryCheck Team · 5 Min. Lesezeit · Veröffentlicht am

Ruft dich jemand mit der 110 auf dem Display an, ist das nicht die Polizei: In Deutschland ruft die Polizei niemals unter der Notrufnummer 110 an, und sie bittet dich am Telefon nie darum, Geld oder Wertsachen herauszugeben. Leg bei solchen Anrufen sofort auf und wähl die 110 danach selbst, nicht über die Rückruftaste. Dasselbe gilt für angebliche Anrufe von Europol, dem BKA, der Staatsanwaltschaft oder dem Finanzamt.

Grafik: Die Nummer auf dem Display zeigt nicht, von wo der Anruf tatsächlich kommt
Die Täter bestimmen selbst, was auf deinem Display steht. Deshalb beweist die Anzeige nichts.

Wie läuft der Betrug mit falschen Polizisten ab?

Die Geschichte ist ein Schreckensszenario. Laut Verbraucherzentrale behaupten die Anrufer etwa, bei dir sei ein Einbruch geplant, deine Wertsachen müssten in Sicherheit gebracht werden, und ein Beamter in Zivil komme vorbei, um sie abzuholen. Eine andere Variante: Dein Geld sei bei der Bank nicht mehr sicher. Laut Polizei geben sich die Täter auch als Staatsanwälte oder Richter aus und verlangen mit gefälschten Beschlüssen Zahlungen.

Dahinter stecken organisierte Strukturen. Nach Angaben der Bayerischen Polizei kommen viele Anrufe aus kriminellen Callcentern in der Türkei oder in Osteuropa. Die Täter halten ihre Opfer oft stundenlang in der Leitung, damit sie niemanden um Rat fragen, und schicken am Ende einen Abholer. Betroffen sind meist Menschen ab 50, viele leben allein, und oft tragen sie traditionell klingende Vornamen, nach denen die Täter im Telefonbuch suchen.

Eine Frau mit Brille telefoniert und hält sich besorgt die Hand an die Stirn
Die Täter setzen auf Stress und Zeitdruck. Auflegen unterbricht beides.

Warum steht 110 auf dem Display?

Die Täter nutzen Call-ID-Spoofing, eine Technik, mit der auf deinem Display eine vorgetäuschte Nummer erscheint, zum Beispiel die 110 oder eine Nummer mit deiner eigenen Ortsvorwahl. Seit dem 1. Dezember 2022 müssen Netzbetreiber zwar Anrufe abbrechen, die 110 oder 112 als Absender anzeigen, und Anrufe aus ausländischen Netzen dürfen keine deutschen Nummern mehr zeigen. Die Polizei warnt trotzdem weiter vor Anrufen mit der 110 oder mit echten örtlichen Nummern auf dem Display. Die Bayerische Polizei bringt es auf den Punkt: Die Nummer auf dem Display liefert lediglich einen Anhaltspunkt, wer der Anrufer sein könnte.

110 oder örtliche Polizei: Wen rufst du wann an?

SituationWen du anrufstWorauf es ankommt
Der Anruf läuft noch oder ein Abholer ist angekündigtDie 110, von dir selbst gewähltDie Polizei rät, sich durch einen eigenen Anruf beim Notruf 110 zu vergewissern
Du willst wissen, ob ein Anruf echt warDie 110 oder die Nummer deiner Dienststelle, die du selbst heraussuchstNie die Rückruftaste nutzen, die Nummer immer neu eintippen
Jemand steht mit Dienstausweis vor der TürDie Dienststelle über eine selbst gesuchte NummerDie Person währenddessen draußen warten lassen
Der Anruf ist vorbei, passiert ist nichtsDie örtliche Polizeidienststelle oder die Onlinewache deines BundeslandesDie Onlinewache ist nicht für Notfälle gedacht
Du hast bereits Geld oder Wertsachen übergebenSofort die Polizei, bei Überweisungen zusätzlich deine BankBeschreib Abholer, Uhrzeit und Gesprächsverlauf so genau wie möglich
Die angezeigte Nummer war gefälschtZusätzlich die Bundesnetzagentur über das Formular für RufnummernmanipulationSchnell melden, Verkehrsdaten werden in der Regel nach sieben Tagen gelöscht
Der richtige Kontakt in jeder Lage

Die echte Polizei holt kein Geld und keine Wertsachen ab und bittet dich nicht um Überweisungen. Die Bayerische Polizei formuliert es so: Polizei oder vergleichbare Amtspersonen werden dich niemals telefonisch um die Aushändigung von Bargeld oder Wertsachen bitten.

Europol, BKA, Finanzamt: Welche Behörden werden noch vorgetäuscht?

  • Europol und Interpol: Oft hörst du zuerst eine automatische Ansage auf Englisch und sollst eine Taste drücken. Dann heißt es, deine Daten seien für Straftaten missbraucht worden, und es wird mit Festnahme gedroht, falls du keine Informationen oder Kryptowährung herausgibst. Das BKA warnt, dass dabei sogar echte Nummern von Europol, Interpol oder deutschen Dienststellen angezeigt werden.
  • Das BKA per E-Mail: Gefälschte Mails mit angeblichen Vorladungen und Tatvorwürfen, teils im Namen der BKA-Spitze. Das Bundeskriminalamt stellt klar: Es sind Fälschungen.
  • Schockanrufe: Ein angeblicher Polizist oder Staatsanwalt meldet, ein Angehöriger habe einen schweren Unfall verursacht, und verlangt eine Kaution. Das BKA berichtet von Forderungen bis zu 100.000 Euro, die Polizei Berlin beziffert den bundesweiten Schaden allein 2023 auf 117 Millionen Euro. Mehr dazu im Ratgeber Enkeltrick und Schockanrufe.
  • Finanzamt und Bundeszentralamt für Steuern (BZSt): Per E-Mail, SMS oder Brief, oft mit einer angeblichen Steuererstattung und einem Formular. Die Steuerverwaltung fragt per E-Mail nie nach Steuernummer, Kontoverbindung, Kreditkartennummer oder PIN, und Zahlungen an das BZSt gehen ausschließlich auf ein inländisches Konto.
  • Weitere Absender: Laut Verbraucherzentrale werden auch die Bundesnetzagentur, das Kraftfahrt-Bundesamt, die Bundespolizei und der Beitragsservice von ARD, ZDF und Deutschlandradio nachgeahmt. Echte Behörden versenden niemals Haftbefehle per E-Mail.

Wie schützt du dich und deine Eltern?

  1. 1

    Auflegen ist erlaubt

    Du musst niemandem am Telefon etwas beweisen. Wer dich unter Druck setzt, bekommt kein Gespräch.

  2. 2

    Nie über Geld und Wertsachen sprechen

    Die echte Polizei fragt am Telefon nicht danach, was du zu Hause oder auf der Bank hast.

  3. 3

    Den Telefonbucheintrag anpassen

    Die Polizei rät, den Vornamen im Telefonbuch abzukürzen oder wegzulassen, also E. Müller statt Elfriede Müller. Dann fällt es den Tätern schwer, gezielt ältere Menschen zu finden.

  4. 4

    Ein Familien-Codewort vereinbaren

    Die Polizei empfiehlt Kennsätze in der Familie, an denen ihr euch im Ernstfall erkennt.

  5. 5

    Mit Angehörigen darüber reden

    Erzähl Eltern und Großeltern von der Masche, bevor der erste Anruf kommt. Wer das Muster kennt, legt schneller auf.

Und die Nummer selbst? Eine gefälschte 110 lässt sich nicht sinnvoll prüfen, denn es ist die echte Notrufnummer. Hilfreich ist eine Rückwärtssuche bei allem, was danach kommt: der Rückrufnummer eines angeblichen Kommissars, einer SMS oder einem WhatsApp-Kontakt. Ein Kriminalbeamter hinter einer spurlosen VoIP-Nummer ist ein Widerspruch. Wer mit unterdrückter Nummer anruft, lässt sich dagegen nicht selbst ermitteln; welche Wege es dann gibt, steht in Unterdrückte Nummer herausfinden. Eng verwandt ist der Betrug durch falsche Bankmitarbeiter.

Häufige Fragen

Ruft die Polizei mit der Nummer 110 an?

Nein. Die Polizei ruft niemals unter der Notrufnummer 110 an. Steht 110 auf deinem Display, ist die Anzeige gefälscht. Leg auf und wähl die 110 selbst, wenn du unsicher bist.

Holt die Polizei Geld oder Wertsachen zur Sicherheit ab?

Nein. Polizei und vergleichbare Amtspersonen bitten dich niemals telefonisch, Bargeld oder Wertsachen herauszugeben, und sie fordern keine Überweisungen. Wer das verlangt, ist ein Betrüger.

Wie prüfe ich, ob ein Polizist an meiner Tür echt ist?

Lass die Person draußen warten, such dir die Nummer der zuständigen Dienststelle selbst heraus und frag dort nach. Im Zweifel wählst du die 110. Echte Beamte haben für diese Kontrolle Verständnis.

Was hat es mit Anrufen von Europol oder Interpol auf sich?

Das ist eine bekannte Masche: eine automatische Ansage, oft auf Englisch, dann die Aufforderung, eine Taste zu drücken, und Drohungen mit Festnahme. Leg sofort auf, drück keine Taste und gib keine Daten heraus.

Wo zeige ich einen falschen Polizisten an?

Bei deiner örtlichen Polizeidienststelle oder online über die Onlinewache deines Bundeslandes; in akuten Fällen über die 110. Die gefälschte Nummer kannst du zusätzlich der Bundesnetzagentur melden.

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