Anruf von falschen Polizisten und Behörden
Vom StoryCheck Team · 6 Min. Lesezeit · Veröffentlicht am
Falsche Polizisten rufen an, erzählen von einer Einbrecherbande in der Nachbarschaft, einem Unfall eines Angehörigen oder Ermittlungen gegen deine Bank und wollen, dass du Geld, Gold oder Schmuck übergibst oder überweist. Das österreichische Bundeskriminalamt rät, aufzulegen, niemals Wertsachen an Unbekannte zu übergeben und sich im Zweifel über die polizeiliche Servicenummer 059 133 mit dem angeblichen Beamten verbinden zu lassen. Im Notfall wählst du 133.

Wie gehen falsche Polizisten vor?
Sie geben sich als Kriminalbeamte aus und rufen gezielt ältere Menschen an. Das klassische Drehbuch laut Bundeskriminalamt: In der Umgebung treibe eine Einbrecherbande ihr Unwesen, als Nächstes sei deine Wohnung dran, deshalb solle die „Polizei“ Bargeld und Wertsachen in Verwahrung nehmen. Ein Treffen zur Übergabe wird ausgemacht, abgeholt wird vom Anrufer selbst oder von einem Komplizen, und alles muss sehr schnell gehen.
Im September 2026 informierte das Bundeskriminalamt in einer bundesweiten Kampagne über diese Schockanrufe. Die Rollen sind vielfältiger geworden: Neben Polizisten melden sich angebliche Staatsanwälte, Ärztinnen oder Bankmitarbeiter, und die Geschichten reichen vom schweren Unfall eines Angehörigen über drohende Haft bis zu Ermittlungen gegen Banken. Die Täter fragen nach Bargeld, Schmuck und Sparbüchern, verlangen strikte Verschwiegenheit, damit du niemanden fragst, und schicken Opfer manchmal in mehrere Bankfilialen, um Geld zu beheben, während sie am Telefon bleiben.
- Angebliche Kriminalbeamte oder andere Autoritäten rufen unerwartet an
- Eine dramatische Schockmeldung und massiver Zeitdruck
- Fragen nach Geld, Gold, Schmuck oder Sparbüchern im Haushalt
- Die Aufforderung, niemandem davon zu erzählen
- Eine Übergabe an eine unbekannte Person, an der Tür oder an einem Treffpunkt
Kann die Nummer der Polizei am Display gefälscht sein?
Das Bundeskriminalamt warnt, dass Täter mit Call-ID-Spoofing eine andere Nummer anzeigen als die, von der sie tatsächlich anrufen, etwa eine deutsche Nummer, obwohl der Anruf aus Afrika oder Asien kommt. Auf die angezeigte Nummer kannst du dich also nicht verlassen. Bei österreichischen Nummern hat die RTR mit der Anti-Spoofing-Verordnung seit 2024 einen Riegel vorgeschoben: Anrufe aus dem Ausland mit einer nicht bestätigten österreichischen Nummer erscheinen als anonym. Ausländische Nummern lassen sich weiterhin fälschen, und auch hinter einem echten Anschluss kann ein Betrüger sitzen. Der sichere Weg bleibt deshalb: auflegen, 059 133 wählen und dich mit dem angeblichen Beamten verbinden lassen. Gibt es ihn nicht, weißt du Bescheid.
Tonband von „Europol“ oder „Austrian Police“: die englische Variante
Seit Anfang 2022 bekommt die RTR-Meldestelle viele Meldungen über englischsprachige Anrufe und Tonbandansagen, angeblich vom „Austrian Police Department“, vom „Federal Police Department“, von Europol oder Interpol. Die Botschaft: Du hättest eine Straftat begangen oder auf deinem Konto gebe es verdächtige Aktivitäten, für mehr Informationen sollst du die Taste 1 drücken. Danach verlangen die Täter Adresse und Bankverbindung, zeigen gefälschte Haftbefehle, fordern eine Einzahlung oder den Kauf von Online-Gutscheinen und wollen, dass du Schadsoftware installierst. Ende 2022 haben Bundeskriminalamt, Interpol und die indische Polizei ein Callcenter in Indien zerschlagen, seither gingen die Meldungen zurück. Verschwunden ist die Masche nicht, die RTR führt sie weiter unter ihren aktuellen Beobachtungen.
Dasselbe gibt es per Mail: angebliche Ermittlungsverfahren von Europol oder Interpol wegen schwerer Vorwürfe, gegen eine „Strafgebühr“ werde das Verfahren eingestellt. Laut Watchlist Internet verwenden die Absender dafür sogar Namen echter Beamter, in Österreich häufig den des Direktors des Bundeskriminalamts. Das Bundeskriminalamt stellt klar: Behörden kündigen Hausdurchsuchungen oder Festnahmen niemals per E-Mail an.
Auch Finanzamt, FinanzOnline und ID Austria werden vorgetäuscht
| Angebliche Stelle | Typische Masche | Was die echte Stelle dazu sagt |
|---|---|---|
| Polizei, Kriminalpolizei | Einbrecherbande, Unfall, „Kaution“, Abholer an der Tür | Niemals Geld oder Gold an Unbekannte übergeben, den Dienstausweis verlangen, die Echtheit über 059 133 prüfen (Bundeskriminalamt) |
| Europol, Interpol, Bundeskriminalamt | Tonband mit „Taste 1“ oder Mail mit schweren Vorwürfen und Strafgebühr | Behörden kündigen Hausdurchsuchungen oder Festnahmen nie per E-Mail an (Bundeskriminalamt) |
| Finanzamt, BMF, FinanzOnline | SMS: FinanzOnline-ID läuft ab, Rückerstattung, drohende Pfändung | Informationen kommen als Bescheid per Post oder in die FinanzOnline Databox. Passwörter, Kartendaten oder Kontoinformationen werden nie verlangt (BMF) |
| ID Austria, A-Trust | Zertifikat läuft ab, Link zur Verlängerung | Die zuständigen Stellen schicken keine SMS mit Verlängerungslink. Echt sind nur id-austria.gv.at und a-trust.at (Watchlist Internet) |
| ÖGK | „Eine Rückzahlung durch die ÖGK wurde freigegeben“ | Laut Bundeskriminalamt ein typischer Köder, dem ein falscher Bankanruf folgt |
| ASFINAG, „Parkstrafe“ | SMS über eine offene Strafe, Zahlung nur mit Kreditkarte | Die ASFINAG ist für Parkstrafen gar nicht zuständig (Watchlist Internet) |
Echte Stellen nutzen echte Wege: Informationen der Finanzverwaltung kommen laut BMF grundsätzlich als digital signierter Bescheid per Post oder in die FinanzOnline Databox. Wie lange deine ID Austria noch gilt, kannst du selbst bei A-Trust abfragen. Zwischen Mai und August 2026 verloren laut Watchlist Internet tatsächlich rund 300.000 Zertifikate ihre Gültigkeit, und genau darauf setzen die Fälscher.
So prüfst du einen angeblichen Behördenanruf
- 1
Nichts über dein Vermögen sagen
Keine Auskunft über Bargeld, Schmuck, Gold oder Konten. Das Bundeskriminalamt rät ausdrücklich, keine Details über das eigene Vermögen preiszugeben.
- 2
Auflegen, auch wenn es unhöflich wirkt
Die Täter versuchen, das Gespräch am Laufen zu halten, damit du keinen klaren Gedanken fassen kannst. Leg auf, bevor du irgendetwas zusagst.
- 3
Selbst anrufen
Polizei: 059 133 oder deine Polizeiinspektion. Finanzamt und andere Behörden: die offizielle Nummer von deren Website, nie eine Nummer aus der Nachricht. Genau das empfiehlt auch das BMF.
- 4
Niemanden hereinlassen
Lass keine Unbekannten in die Wohnung und verlang von angeblichen Polizisten den Dienstausweis. Hast du Zweifel an zivilen Kriminalbeamten vor deiner Tür, wähl 133.
- 5
Familie und Bank einbeziehen
Sprich sofort mit Verwandten oder Freunden und nimm Warnungen von Bankangestellten ernst. Beides rät das Bundeskriminalamt.
Schon übergeben oder bezahlt?
Hast du gerade Wertsachen übergeben, wähl sofort 133 und beschreib die Person, vielleicht lassen sich die Täter noch anhalten. Notier die Nummer des Anrufers, erstatte Anzeige in der nächsten Polizeiinspektion und ruf deine Bank an, wenn Geld überwiesen wurde. Das Bundeskriminalamt bittet, solche Anrufe auch dann anzuzeigen, wenn kein Schaden entstanden ist, weil Gedächtnisprotokolle, Täterbeschreibungen und Fahrzeugdaten den Ermittlungen helfen. Die Nummer kannst du mit einer Rückwärtssuche einordnen und unter rufnummernmissbrauch.at melden. Wie die verwandte Masche mit angeblichen Angehörigen läuft, steht beim Neffentrick, die Bank-Variante beim falschen Bankmitarbeiter.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich, ob wirklich die Polizei anruft?
Leg auf und ruf die polizeiliche Servicenummer 059 133 an, aus dem Ausland +43 59 133. Dort lässt du dich laut Bundeskriminalamt mit dem angeblichen Beamten verbinden. Gibt es ihn nicht, war es ein Betrugsversuch.
Holt die Polizei Wertsachen zur sicheren Verwahrung ab?
Nein, das ist das bekannteste Drehbuch der falschen Polizisten. Das Bundeskriminalamt rät, niemals Geld oder Gold an Unbekannte zu übergeben, keine Fremden in die Wohnung zu lassen und bei Zweifeln an zivilen Beamten 133 zu wählen.
Schickt das Finanzamt SMS mit einem Link zu FinanzOnline?
Informationen der Finanzverwaltung kommen laut BMF grundsätzlich als digital signierter Bescheid per Post oder in die FinanzOnline Databox. Nach Passwörtern, Kartendaten oder Kontoinformationen fragt sie nie, eine SMS mit Link zu einer FinanzOnline-Anmeldung ist deshalb ein Betrugsversuch.
Ich habe eine Mail von Europol mit schweren Vorwürfen bekommen. Was tun?
Nicht antworten und keinen Anhang öffnen, dann kann nichts passieren. Hast du den Anhang geöffnet, mach einen Virenscan, hast du geantwortet, brich den Kontakt ab. Wurde Geld überwiesen, ruf sofort deine Bank an und erstatte Anzeige.
Wo melde ich falsche Polizisten?
Bei der echten Polizei, im Notfall unter 133 oder in jeder Polizeiinspektion, auch wenn kein Schaden entstanden ist. Die Nummer des Anrufers kannst du zusätzlich der RTR unter rufnummernmissbrauch.at melden.
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