Neffentrick und „Hallo Mama“-Nachrichten
Vom StoryCheck Team · 6 Min. Lesezeit · Veröffentlicht am
Beim Neffentrick gibt sich jemand am Telefon als Verwandter in Geldnot aus und schickt einen „Freund“ zum Abholen, bei „Hallo Mama“ schreibt ein angebliches Kind per SMS oder WhatsApp von einer neuen Nummer und will eine Überweisung. Das österreichische Bundeskriminalamt rät, solche Gespräche sofort zu beenden, den Angehörigen unter der gewohnten Nummer zurückzurufen und niemals Bargeld oder Schmuck an Boten zu übergeben. Bei jeder angeblich neuen Nummer gilt: zuerst die alte anrufen.
Wie läuft der Neffentrick am Telefon ab?
Der Anruf beginnt oft ohne Namen, mit einem vertraulichen „Rate mal, wer hier ist“. Fragt man nach, kommt die vorwurfsvolle Gegenfrage, ob man ihn denn nicht erkenne, und wer dann selbst einen Namen nennt, etwa „Bist du's, Susanne?“, hat den Tätern ihre Rolle geliefert. So beschreibt das Bundeskriminalamt den Ablauf. Danach folgt die Notlage, im Beispiel des Bundeskriminalamts ein Kontowechsel, durch den gerade kein Zugriff aufs eigene Konto besteht, dazu die Bitte um eine kurze Aushilfe. Abholen kommt nie der Verwandte selbst, sondern ein „Freund“. Die Opfer sind oft ältere und alleinstehende Menschen.
- Ein unerwarteter Anruf, der mit „Rate mal, wer hier ist“ beginnt
- Der Anrufer nennt sich nicht eindeutig
- Eine dringende finanzielle Notlage, die keinen Aufschub duldet
- Abholen soll ein „Freund“ oder Bote, nicht der Verwandte selbst
- Druck und angeblicher Zeitmangel
- Die Übergabe soll an der Haustür oder in der Wohnung stattfinden
- Der Verwandte sei unter der gewohnten Nummer nicht mehr erreichbar, etwa wegen eines neuen Handys

„Hallo Mama, neue Nummer“: die Variante per SMS und WhatsApp
Die schriftliche Version nennt die RTR den Tochter-, Sohn- und Enkeltrick. Sie kommt meist per SMS, manchmal direkt über WhatsApp, typischer Wortlaut laut RTR: „Hallo Mama, mein Handy ist kaputt, schreib mir an meine neue Nummer auf Whatsapp“. Allein im Mai 2025 registrierte die RTR mehr als 1.000 Beschwerden zu Betrugs-SMS, drei Viertel davon in der Kategorie Familie. Im Chat folgt bald die Bitte, eine Rechnung zu übernehmen, weil das neue Handy angeblich noch nicht zahlen kann. Laut Watchlist Internet geht es meist um hohe drei- bis vierstellige Beträge, und die Täter bestehen auf einer Echtzeit-Überweisung, notfalls mit Schritt-für-Schritt-Anleitung.
Dein Kind
- Ist unter der alten Nummer erreichbar oder meldet sich dort zurück
- Kennt Spitznamen, gemeinsame Erlebnisse und euer Codewort
- Kann warten, bis ihr miteinander gesprochen habt
- Hat ein Konto auf den eigenen Namen
Die Betrüger
- Schreiben anders, als dein Kind sonst schreibt
- Weichen konkreten Fragen aus
- Drängen auf eine Echtzeit-Überweisung und wollen nicht, dass du zur Bank gehst
- Nennen ein Konto, das auf einen fremden Namen läuft
Was ist ein Schockanruf?
Der Schockanruf ist die härtere Form. Im September 2026 informierte das Bundeskriminalamt in einer bundesweiten Kampagne darüber. Am Telefon sind angebliche Polizisten, Staatsanwälte, Ärztinnen oder Bankmitarbeiter, die von einem schweren Verkehrsunfall eines Angehörigen, drohender Haft oder Ermittlungen gegen deine Bank erzählen. Die Täter fragen gezielt nach Bargeld, Schmuck und Sparbüchern und verlangen Geld als „Kaution“ oder zur „Sicherstellung“, übergeben an einen Abholer. Manche Opfer werden in mehrere Bankfilialen geschickt, um Geld zu beheben, während die Täter am Telefon bleiben. Betroffen sind laut Bundeskriminalamt meist Menschen über 60, ausgesucht auch anhand vermeintlich altmodischer Vornamen in öffentlich zugänglichen Registern. Mehr dazu bei den falschen Polizisten am Telefon.
| Masche | Erster Kontakt | Die Geschichte | Was die Täter wollen | Was sie sofort beendet |
|---|---|---|---|---|
| Neffentrick | Anruf, oft ohne Namen: „Rate mal, wer hier ist“ | Kontowechsel, dringende Aushilfe, neue Nummer | Bargeld oder Schmuck, abgeholt von einem „Freund“ | Auflegen und den Verwandten unter der gewohnten Nummer anrufen |
| „Hallo Mama“ | SMS oder WhatsApp von einer neuen Nummer | Handy kaputt, kann gerade nicht zahlen | Echtzeit-Überweisung auf ein fremdes Konto | Die alte Nummer anrufen und das Codewort abfragen |
| Schockanruf | Anruf angeblich von Polizei, Spital oder Staatsanwaltschaft | Unfall, drohende Haft, Ermittlungen gegen die Bank | „Kaution“ in bar, Schmuck, Sparbücher, Übergabe an einen Abholer | Auflegen, im Zweifel 133 wählen |
Wie schützt du deine Eltern und Großeltern?
- 1
Ein Codewort ausmachen
Vereinbart in der Familie ein Wort, das nur ihr kennt. Die Watchlist Internet empfiehlt Codewörter, Spitznamen und Fangfragen, weil sie das Muster der Täter durchbrechen. Das hilft auch, wenn eine Stimme täuschend echt klingt: Laut Watchlist Internet gibt es Berichte, dass Täter die Stimme von Verwandten womöglich mit künstlicher Intelligenz nachahmen.
- 2
Die Rückruf-Regel
Wer Geld will, bekommt erst einen Rückruf unter der Nummer, die schon immer eingespeichert ist. Das Bundeskriminalamt rät, auf ein persönliches Treffen zu bestehen und sich nicht mit einer „Vertretung“ zufriedenzugeben.
- 3
Nie etwas an Boten übergeben
Kein Bargeld, kein Gold und keinen Schmuck an Menschen, die an der Tür stehen. Fremde nicht in die Wohnung lassen und die Gegensprechanlage oder die Türkette benutzen.
- 4
Warnungen der Bank ernst nehmen
Das Bundeskriminalamt bittet ausdrücklich darum, Warnhinweisen von Bankangestellten zu vertrauen. Fragt jemand am Schalter nach, wofür eine große Summe gebraucht wird, ist das Schutz und kein Misstrauen.
- 5
Darüber reden
Die Masche verliert ihre Wirkung, sobald sie bekannt ist. Erzählt euch im Familien- und Bekanntenkreis von Versuchen, auch von gescheiterten.
Schon gezahlt oder übergeben: Was jetzt?
- Gerade Wertsachen übergeben? Sofort den Polizeinotruf 133 wählen und die Person beschreiben. Das Bundeskriminalamt rät, sich Aussehen, Autokennzeichen, Marke, Type und Farbe des Fahrzeugs zu merken, denn manchmal lassen sich die Täter noch anhalten.
- Überwiesen? Sofort die Bank anrufen. Eine Echtzeit-Überweisung ist in Sekunden durch, eine Rückholung gelingt laut Watchlist Internet selten, aber nur wer schnell ist, hat überhaupt eine Chance.
- Anzeige in der nächsten Polizeiinspektion erstatten und die Nummer des Anrufers notieren. Das Bundeskriminalamt bittet darum auch dann, wenn kein Schaden entstanden ist.
- Die Nummer bei der RTR unter rufnummernmissbrauch.at melden.
- Hilfe holen: Der Opfer-Notruf des WEISSEN RINGS ist kostenlos unter 0800 112 112 erreichbar, werktags von 8 bis 20 Uhr.
Scham ist fehl am Platz. Hinter den Anrufen stehen organisierte Tätergruppen, und das Bundeskriminalamt betont, dass Schamgefühle nicht dazu führen dürfen, dass Straftaten verborgen bleiben. Kam die Nachricht von einer neuen Nummer, kannst du sie mit einer Rückwärtssuche prüfen, ohne dass der Absender es merkt, etwa ob es eine österreichische oder eine ausländische Handynummer ist. Was WhatsApp selbst über eine Nummer verrät, steht bei WhatsApp-Nummer herausfinden.
Häufige Fragen
Was ist der Neffentrick?
Beim Neffentrick geben sich Betrüger am Telefon als Verwandte aus, ursprünglich als Enkel oder Neffe, und bitten um Geld für eine angebliche Notlage. Abgeholt wird das Geld von einem angeblichen Freund oder Boten. Das Bundeskriminalamt rät, aufzulegen und den Verwandten unter der gewohnten Nummer zurückzurufen.
Wie erkenne ich, ob wirklich mein Kind die neue Nummer schickt?
Ruf die alte Nummer an oder schreib dorthin. Stell eine Frage, die nur dein Kind beantworten kann, oder frag nach eurem Codewort. Kommt nach der Bitte, die neue Nummer zu speichern, eine Geldforderung, hast du es laut Watchlist Internet mit Kriminellen zu tun.
Kann die Stimme am Telefon gefälscht sein?
Das ist möglich. Die Watchlist Internet berichtet von Fällen, in denen Täter Stimmen von Angehörigen womöglich mit künstlicher Intelligenz nachgeahmt haben. Verlass dich deshalb nicht auf die Stimme, sondern auf den Rückruf unter der bekannten Nummer und auf ein vereinbartes Codewort.
Holt die Polizei eine Kaution ab, wenn ein Angehöriger einen Unfall hatte?
Genau das ist der Schockanruf. Laut Bundeskriminalamt verlangen die Täter Geld als „Kaution“ oder „Sicherstellung“ und schicken Abholer an die Tür. Leg auf, ruf deinen Angehörigen selbst an und wähl im Zweifel den Polizeinotruf 133.
Wo melde ich einen Neffentrick-Versuch?
Bei der Polizei, in jeder Polizeiinspektion oder im Notfall unter 133, auch wenn kein Schaden entstanden ist. Die Nummer des Anrufers oder der SMS kannst du zusätzlich der RTR unter rufnummernmissbrauch.at melden.
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