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Werbeanrufe stoppen

Vom StoryCheck Team · 6 Min. Lesezeit · Veröffentlicht am

In Österreich sind Werbeanrufe ohne deine vorherige Einwilligung verboten (§ 174 TKG 2021), und wer zu Werbezwecken anruft, darf seine Nummer nicht unterdrücken. Stoppen kannst du sie, indem du jede erteilte Einwilligung widerrufst, der Nutzung deiner Daten für Werbung widersprichst, die Nummer sperrst und den Anruf beim Fernmeldebüro anzeigst. Die Robinsonliste der WKO hilft dagegen nicht, sie gilt nur für adressierte Werbepost.

Was ist in Österreich erlaubt und was nicht?

Die Regel steht in § 174 Abs. 1 TKG 2021: Anrufe zu Werbezwecken ohne vorherige Einwilligung sind unzulässig, und eine erteilte Einwilligung kannst du jederzeit widerrufen. Laut RTR zählt nur eine konkrete Erklärung, bei der du erkennen konntest, welches Unternehmen welche Produkte oder Dienstleistungen bewerben will. Anders als bei Werbe-Mails und Werbe-SMS kennt das Gesetz für Anrufe keine Ausnahme für bestehende Kunden: Auch dein Strom- oder Handyanbieter braucht deine Einwilligung. Deine Nummer haben Anrufer manchmal von dir selbst, etwa aus einem Gewinnspiel oder Kundenbindungsprogramm, das nennt die RTR als mögliche Quelle. Ob du dabei wirklich eingewilligt hast, darfst du nachfragen.

Außerdem darf die Nummer bei Werbeanrufen weder unterdrückt noch gefälscht werden (§ 174 Abs. 2 TKG 2021). Meinungsumfragen ohne Werbeabsicht brauchen laut RTR keine Zustimmung, seriöse Institute rufen aber nicht noch einmal an, wenn du das nicht willst.

100.000 Euro

Höchststrafe für einen Werbeanruf ohne Einwilligung

§ 188 Abs. 6 TKG 2021

50.000 Euro

Höchststrafe für unterdrückte oder gefälschte Nummern bei Werbeanrufen

§ 188 Abs. 4 TKG 2021

16 %

der Menschen in Österreich, die auf StoryCheck eine Nummer prüfen, nennen Spam- oder Betrugsanrufer als wichtigsten Grund

StoryCheck-Nummernprüfungen, Juli bis September 2026

Eine Hand hält ein silbernes iPhone mit der Rückseite zur Kamera vor unscharfem Hintergrund
Sperren hilft gegen eine echte Nummer, gegen ständig wechselnde Spam-Nummern kaum.

Was sagst du, wenn ein Werbeanruf kommt?

  1. 1

    Nach Firma und Auftraggeber fragen

    Wer dich anruft, um dir etwas zu verkaufen, muss zu Beginn des Gesprächs seinen Namen oder seine Firma, einen allfälligen Auftraggeber und den geschäftlichen Zweck nennen. So steht es in § 9 Abs. 1 Fern- und Auswärtsgeschäfte-Gesetz.

  2. 2

    Widerrufen und widersprechen

    Sag klar: „Ich widerrufe jede Einwilligung und widerspreche der Verwendung meiner Daten für Werbung.“ Nach der DSGVO darf das Unternehmen deine Daten danach nicht mehr für Direktwerbung verwenden.

  3. 3

    Nach der Herkunft deiner Nummer fragen

    Mit einem Auskunftsbegehren nach Art. 15 DSGVO muss dir das Unternehmen sagen, welche Daten es über dich verarbeitet und woher es sie hat. Antworten muss es laut Datenschutzbehörde grundsätzlich innerhalb eines Monats.

  4. 4

    Alles notieren

    Datum, Uhrzeit, angezeigte Nummer, Firmenname und worum es ging. Diese Angaben brauchst du für die Anzeige beim Fernmeldebüro.

  5. 5

    Nichts am Telefon abschließen

    Bei einem Dienstleistungsvertrag aus einem Anruf des Unternehmens bist du erst gebunden, wenn du eine Bestätigung auf einem dauerhaften Datenträger wie Brief oder E-Mail bekommst und das Angebot schriftlich annimmst (§ 9 Abs. 2 FAGG). Von Fernabsatzverträgen kannst du außerdem binnen 14 Tagen ohne Angabe von Gründen zurücktreten (§ 11 FAGG).

Wo zeigst du einen Werbeanruf an?

Was passiert istZuständigSo geht es
Werbeanruf ohne EinwilligungDas Fernmeldebüro, die Fernmeldebehörde im Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und SportFormular für unerbetene Anrufe von fb.gv.at, per Mail an office@fb.gv.at oder per Post an Radetzkystraße 2, 1030 Wien
Werbeanruf mit unterdrückter oder gefälschter NummerFernmeldebüroAnzeige mit Datum und Uhrzeit, auch wenn keine Nummer zu sehen war
Ping-Anruf, Betrugsanruf, Spam-SMS, missbrauchte eigene NummerRTR-Meldestelle RufnummernmissbrauchOnline unter rufnummernmissbrauch.at
Das Unternehmen gibt keine Auskunft über deine DatenDatenschutzbehördeBeschwerde, wenn nach einem Monat keine oder eine unzureichende Antwort kommt
Betrug oder DrohungPolizeiAnzeige in jeder Polizeiinspektion, im Notfall 133
Vertrag am Telefon untergeschobenDas Unternehmen selbst, Beratung bei der ArbeiterkammerSchriftlich widersprechen oder binnen 14 Tagen zurücktreten
Wer in Österreich wofür zuständig ist

Realistisch bleiben: Das zuständige Ministerium weist selbst darauf hin, dass ein Verwaltungsstrafverfahren gegen Absender, die sich nicht ausforschen lassen oder im Ausland sitzen, wenig Aussicht auf Erfolg hat. Die Anzeige lohnt sich vor allem bei Firmen mit Namen und Sitz in Österreich. Eine Vorlage dafür bietet die Arbeiterkammer an.

Was die Robinsonliste kann und was nicht

Die Robinsonliste ist keine Sperrliste für Anrufe. Der Fachverband Werbung und Marktkommunikation der WKO führt sie nach § 151 Abs. 9 Gewerbeordnung, und sie betrifft nur persönlich adressierte Werbepost von Adressverlagen und Direktmarketingunternehmen. Für Werbe-Mails gibt es eine eigene Liste bei der RTR.

Robinsonliste (WKO)

  • Gilt für persönlich adressierte Werbepost von Adressverlagen und Direktmarketingunternehmen
  • Eintragung kostenlos, online oder per Mail an werbung@wko.at
  • Firmen, die ihre eigene Werbepost verschicken, müssen sich laut WKO nicht daran halten
  • Gilt nicht für Anrufe, SMS oder Flugblätter „An einen Haushalt“

ECG-Liste (RTR)

  • Gilt für Werbung per E-Mail
  • Eintragung kostenlos, geführt von der RTR nach § 7 Abs. 2 E-Commerce-Gesetz
  • Gilt nicht für Anrufe
Zwei Listen, zwei Zwecke

Für Anrufe brauchst du keine Liste, weil ohnehin jeder Werbeanruf ohne deine Einwilligung verboten ist. Gegen unadressierte Flugblätter „An einen Haushalt“ hilft laut WKO der Aufkleber „Flugblattverzichter“.

Nummern sperren und Spam filtern

Gegen eine echte Nummer, von der dich immer wieder dieselbe Firma anruft, hilft das Sperren am Handy. Gegen Spam hilft es laut RTR oft wenig, weil die Anrufer ständig neue Nummern verwenden. Besser wirken Filter: Am iPhone schaltest du unter Einstellungen, Apps, Telefon bei „Anruffilterung“ den Spamfilter ein und kannst unbekannte Nummern stummschalten. In der Google-Telefon-App markierst du einen Anruf in der Anrufliste mit „Blockieren/Spam melden“. Die Spam-Warnungen auf dem Handy stammen laut RTR übrigens von Betriebssystem- und App-Anbietern, nicht von den österreichischen Mobilfunkern, bei Samsung etwa vom Dienst Hiya.

Bevor du eine unbekannte Nummer zurückrufst, kannst du sie mit einer Rückwärtssuche einordnen, etwa ob ein möglicher Name, ein VoIP-Anschluss oder eine Auslandsnummer dahintersteckt. Wie du Anrufe ohne Nummer abweist, steht bei unterdrückte Nummer herausfinden, und wer hinter hartnäckigen Anrufen stecken kann, bei Wer hat angerufen?.

Häufige Fragen

Sind Werbeanrufe in Österreich erlaubt?

Nur mit deiner vorherigen Einwilligung, die du jederzeit widerrufen kannst. So regelt es § 174 TKG 2021. Ein Werbeanruf ohne Einwilligung kann mit bis zu 100.000 Euro bestraft werden.

Hilft die Robinsonliste gegen Werbeanrufe?

Nein. Die Robinsonliste der WKO gilt nur für persönlich adressierte Werbepost von Adressverlagen und Direktmarketingunternehmen. Gegen Werbeanrufe helfen der Widerruf deiner Einwilligung, der Widerspruch nach der DSGVO und eine Anzeige beim Fernmeldebüro.

Wo zeige ich einen unerwünschten Werbeanruf an?

Beim Fernmeldebüro, das die Verwaltungsstrafverfahren führt: mit dem Formular für unerbetene Anrufe von fb.gv.at, per Mail an office@fb.gv.at oder per Post an Radetzkystraße 2, 1030 Wien. Gib Datum, Uhrzeit, Nummer und Firma an.

Ich habe am Telefon Ja gesagt. Habe ich jetzt einen Vertrag?

Bei einer Dienstleistung aus einem Werbeanruf noch nicht: Du bist erst gebunden, wenn du eine Bestätigung auf Papier oder per Mail bekommst und das Angebot schriftlich annimmst (§ 9 Abs. 2 FAGG). Zusätzlich kannst du von Fernabsatzverträgen binnen 14 Tagen zurücktreten.

Sind Umfragen am Telefon auch verboten?

Nicht, wenn keine Werbeabsicht dahintersteckt, dann brauchen sie laut RTR keine Zustimmung. Seriöse Umfrageinstitute rufen aber nicht noch einmal an, wenn du das ablehnst. Ein zentrales Register gegen Umfragen gibt es nicht.

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