Ping-Anrufe: einmal geklingelt, nie zurückrufen
Vom StoryCheck Team · 6 Min. Lesezeit · Veröffentlicht am
Ein Ping-Anruf ist ein Anruf von einer meist ausländischen Nummer, der nach einem einzigen Klingeln abbricht, damit du zurückrufst. Teuer ist nur dieser Rückruf: Er landet auf einer kostspieligen Auslands- oder Sondernummer, an der die Betreiber mitverdienen. In der Schweiz gilt deshalb eine einfache Regel, die auch Swisscom empfiehlt: Unbekannte, «komisch anmutende» internationale Nummern nie zurückrufen, sondern sperren.
Wie funktioniert ein Ping-Anruf?
Hinter einem Ping-Anruf steckt kein Mensch, der dich persönlich meint, sondern ein Wählcomputer, der in kurzer Zeit sehr viele Nummern anwählt und nach einem Klingeln wieder auflegt. Swisscom beschreibt das Muster so: ein Anruf von einer unbekannten, meist internationalen Nummer, der nach nur einem Klingeln abgebrochen wird. Der eingehende Anruf kostet dich im Schweizer Netz nichts. Das Geschäft beginnt erst mit deinem Rückruf, denn die Nummer gehört zu einer teuren Auslands- oder Mehrwertverbindung, und ein Teil der Gebühr fliesst an die Betreiber. Manche Nummern spielen dir eine Warteschlaufe oder eine Ansage vor, damit die Verbindung möglichst lange dauert.
Ein Klingeln, eine exotische Vorwahl, oft mitten in der Nacht: Das reicht als Verdacht. Wer dich wirklich erreichen will, versucht es noch einmal, hinterlässt eine Nachricht auf der Combox oder schreibt dir.
Welche Nummern sind verdächtig und welche normal?
Nicht jeder verpasste Anruf aus dem Ausland ist ein Ping-Anruf. In den anonymisierten StoryCheck-Abfragen aus der Schweiz von Juli bis September 2026 waren 87 Prozent der geprüften Nummern Schweizer Nummern. Bei den ausländischen führen die Nachbarländer: Frankreich mit 17 Prozent, Deutschland mit 16 und Italien mit 12 Prozent, danach folgen Spanien mit 8 und Grossbritannien mit 7 Prozent. Ein Anruf mit +33, +49 oder +39 kann also gut ein Grenzgänger, eine Handwerkerin oder die Verwandtschaft sein.
| Was du siehst | Was es meist ist | Was du tust |
|---|---|---|
| Ein Klingeln, eine unbekannte exotische Vorwahl, oft nachts | Ping-Anruf | Nicht zurückrufen, Nummer sperren |
| Verpasster Anruf mit +33, +49 oder +39, mehrere Versuche | Häufig jemand Echtes aus einem Nachbarland | Erst prüfen, dann entscheiden |
| Aufforderung, eine 0900-, 0901- oder 0906-Nummer anzurufen | Schweizer Mehrwertnummer mit eigenem, teils hohem Tarif | Nicht wählen und den Zugang beim Anbieter sperren lassen |
| SMS oder Mail: «Abbuchung bei MediaMarkt via TWINT, rufen Sie uns an» | Callback-Betrug, 2026 oft mit Schweizer Festnetznummern wie 021, 022, 026 oder 071 | Nie die Nummer aus der Nachricht wählen |
| «Unbekannt» auf dem Display | Eine unterdrückte Nummer oder, seit 2026, ein Anruf aus dem Ausland, dessen gefälschte Schweizer Nummer dein Anbieter entfernt hat | Nicht zurückrufbar. Wer etwas will, meldet sich erneut |
| Schweizer Handynummer, die mehrmals anruft und eine Nachricht hinterlässt | Meist ein echter Kontakt | Nachricht abhören, bei Bedarf prüfen, dann zurückrufen |
Was ist der Unterschied zum Callback-Betrug?
Eng verwandt ist der Callback-Betrug, vor dem das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) im September 2026 wegen einer starken Zunahme gewarnt hat. Hier klingelt nichts. Du bekommst eine SMS oder E-Mail über eine angebliche Abbuchung, etwa im Namen von UBS, TWINT, Migros oder MediaMarkt, und sollst eine Nummer anrufen, um sie zu stoppen. Laut BACS sind das häufig ausländische, zunehmend aber auch Schweizer Festnetznummern mit den Vorwahlen 021, 022, 026 oder 071. Am anderen Ende wartet kein teurer Tarif, sondern ein Betrüger, der deine Daten, einen Code oder Fernzugriff auf deinen Computer will. Die Regel des BACS: Ruf nie eine Nummer zurück, die dir in einer E-Mail oder SMS mitgeteilt wird, sondern such die offizielle Nummer selbst.
Was kostet ein Rückruf, und was tust du danach?
Wie teuer ein Rückruf wird, hängt von deinem Abo und vom Zielland ab. Auslandsgespräche und Sondernummern werden oft separat und pro Minute verrechnet, deshalb lohnt sich nach einem versehentlichen Rückruf ein genauer Blick auf die nächste Rechnung. Hast du schon zurückgerufen, gehst du so vor:
- Sofort auflegen, auch wenn eine Ansage dich bittet, dranzubleiben.
- Die Verbindungsübersicht im Kundenkonto oder die nächste Rechnung prüfen.
- Unerklärliche Posten zuerst schriftlich bei deinem Anbieter beanstanden.
- Kommt keine Einigung zustande, hilft ombudscom, die vom BAKOM anerkannte Schlichtungsstelle Telekommunikation. Sie behandelt strittige Rechnungen und Mehrwertdienste, vorausgesetzt, du hast es zuerst beim Anbieter versucht und der letzte Kontakt liegt höchstens zwölf Monate zurück.
- Die Nummer sperren, damit du sie nicht aus Versehen ein zweites Mal wählst.
Wie sperrst du Ping-Nummern bei Swisscom, Sunrise und Salt?
- Swisscom: Der Callfilter ist standardmässig aktiv und blockiert laut Swisscom rund 8 Millionen Spamanrufe pro Monat. In My Swisscom setzt du bis zu 200 Nummern auf eine persönliche Sperrliste. Ganze Nummernbereiche sperrst du, indem du die ersten Ziffern mit einem Stern eingibst, etwa eine Ländervorwahl gefolgt von *.
- Sunrise: In My Sunrise lassen sich Anrufe auf 090x-Nummern sowie Auslandsanrufe und Roaming sperren. Einzelne Nummern blockierst du direkt auf dem Handy.
- Salt und alle anderen Anbieter: Nach Art. 40 der Verordnung über Fernmeldedienste (FDV) musst du abgehende Verbindungen zu 0900-, 0901- und 0906-Nummern je Typ sperren lassen können.
- Auf dem Handy: Auf dem iPhone tippst du in der Anrufliste auf das «i» neben der Nummer und wählst «Anrufer blockieren». Auf Android findest du die Sperre in der Telefon-App, meist im Menü der Nummer.
Kann eine Nummernprüfung helfen?
Ja, wenn du vor dem Rückruf wissen willst, mit wem du es zu tun hast. In den StoryCheck-Daten aus der Schweiz nennen 22 Prozent der Personen, die eine Nummer prüfen, Spam- oder Betrugsanrufe als wichtigsten Grund. Eine Rückwärtssuche zeigt das Land, die Anschlussart (Handy, Festnetz oder VoIP), wo bekannt den Anbieter und Risikosignale, ohne dass du anrufen musst und ohne dass der Inhaber davon erfährt. Wie du Schweizer Vorwahlen liest, erklärt der Ratgeber Handyvorwahlen der Schweiz, und bei einer Nummer, die immer wieder anruft, hilft dir der Ratgeber Wer hat angerufen? weiter.
Häufige Fragen
Kostet es etwas, wenn ich einen Ping-Anruf annehme?
Nein. Ein eingehender Anruf kostet dich im Schweizer Netz nichts, und meistens ist die Leitung ohnehin schon tot, wenn du abnimmst. Teuer wird es nur, wenn du die Nummer zurückrufst.
Ich habe einen Ping-Anruf zurückgerufen. Was jetzt?
Leg sofort auf und prüf die nächste Rechnung. Unerklärliche Posten beanstandest du zuerst schriftlich beim Anbieter. Führt das zu nichts, kannst du dich an ombudscom wenden, die Schlichtungsstelle Telekommunikation. Danach sperrst du die Nummer.
Soll ich alle ausländischen Nummern sperren?
Meist ist das nicht nötig, denn viele Auslandsanrufe in der Schweiz kommen aus Frankreich, Deutschland oder Italien und sind echt. Sinnvoller ist es, gezielt einzelne Nummern oder bei Swisscom ganze Vorwahlen mit einem Stern zu sperren. Wer nie ins Ausland telefoniert, kann bei Sunrise Auslandsanrufe im Kundenkonto sperren und so auch keinen teuren Rückruf mehr auslösen.
Warum klingeln Ping-Anrufe oft mitten in der Nacht?
Die Anrufe laufen automatisch und ohne Rücksicht auf Zeitzonen. Nachts schaut man zudem weniger genau hin, welche Vorwahl angerufen hat, und ruft eher aus Sorge zurück. Genau das solltest du bei einer unbekannten Auslandsnummer lassen.
Ist ein verpasster Anruf mit 021 oder 071 ein Ping-Anruf?
Normalerweise nicht, das sind Schweizer Festnetzvorwahlen, etwa für die Region Lausanne oder St. Gallen. Das BACS warnt aber vor Callback-Betrug, bei dem solche Nummern in SMS oder E-Mails stehen und du anrufen sollst. Eine Nummer aus einer Nachricht wählst du nie, sondern suchst die offizielle Nummer selbst.
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Die Prüfung ist privat und dauert etwa 60 Sekunden. Die Person erhält keine Benachrichtigung und erfährt nichts davon.
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