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Wohnungsbetrug erkennen: So prüfst du ein Inserat, bevor Geld fliesst

Vom StoryCheck Team · 5 Min. Lesezeit · Veröffentlicht am

Wohnungsbetrug in der Schweiz folgt fast immer demselben Muster: ein günstiges Inserat mit echten Fotos, ein Vermieter, der angeblich im Ausland lebt, und eine Kaution oder erste Monatsmiete, die vor der Besichtigung bezahlt werden soll. Zahl nichts und schick keine Ausweiskopie, bevor du die Wohnung gesehen hast und weisst, dass die Verwaltung echt ist. Eine Mietkaution in Geld gehört ohnehin auf ein Bankkonto oder Depot auf deinen Namen, nie auf ein Privatkonto des Vermieters.

Wie funktioniert Wohnungsbetrug?

Die Betrüger brauchen keine Wohnung, nur ein Inserat. Das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) beschreibt, wie sie Fotos von Wohnungen verwenden, die ihnen nicht gehören, oft zu einem unrealistisch tiefen Mietzins. Manchmal kopieren sie auch ein echtes Inserat und ändern nur die Kontaktdaten. Wer sich meldet, erfährt, der Vermieter sei im Ausland und könne die Wohnung nicht zeigen; die Schlüssel kämen per Post, sobald Kaution oder Miete bezahlt seien. Teilweise verlangen die Betrüger sogar eine Gebühr für die Besichtigung, eine Buchung über TripAdvisor oder eine Zahlung mit Geschenkkarten oder Kryptowährung.

Die Polizei dokumentierte 2025 Fälle, in denen Betrüger im Namen von RE/MAX gefälschte Rechnungen für eine Monatsmiete und eine Mietkaution verschickten, zahlbar auf ausländische Konten. Eine ältere Variante leitet dich auf eine gefälschte Airbnb-Seite, die dem Original täuschend ähnlich sieht, und kassiert dort die angebliche Kaution.

Drei Prüfungen, die ein Wohnungsinserat bestehen muss, bevor Geld fliesst
Jede Variante braucht dein Geld vor der Besichtigung. Ohne diesen Schritt funktioniert sie nicht.

Die neue Masche: Datenklau über die Bewerbung

Inzwischen geht es manchmal gar nicht um die Kaution, sondern um deine Daten. Im April 2026 warnte cybercrimepolice.ch vor einer Masche, bei der auf bekannten Portalen wie Homegate, ImmoScout24 oder Flatfox eine attraktive Wohnung ausgeschrieben wird. Wer Interesse zeigt, wird per WhatsApp kontaktiert, von jemandem, der unter dem Namen einer echten Immobilienagentur auftritt, und auf ein Online-Formular für die Bewerbung geschickt. Dort sollst du ein vollständiges Dossier hochladen: Ausweiskopien, Arbeitsvertrag, Lohnabrechnungen, Krankenkassenpolicen und Angaben zu deinen Finanzen. Mit diesen Daten lassen sich später Identitätsdiebstahl, Bestellungen auf deinen Namen und sehr glaubwürdiges Phishing betreiben.

Dein Bewerbungsdossier gehört zu einer Verwaltung, deren Identität du geprüft hast. Such die Agentur selbst im Netz und schick Unterlagen nur über ihre offizielle Website oder Mailadresse, nie über einen Link aus einem WhatsApp-Chat.

Woran erkennst du ein Fake-Inserat?

WarnzeichenWas dahinterstecktWas du tust
Mietzins deutlich unter vergleichbaren WohnungenDer Köder, damit sich viele melden und schnell handelnMit ähnlichen Inseraten im selben Quartier vergleichen
Vermieter im Ausland, Schlüssel kommen per PostEs gibt nichts, das er dir zeigen kannNur mit Besichtigung weitermachen
Kaution oder Miete vor der BesichtigungDas Geld ist das eigentliche ZielNichts bezahlen
Kaution aufs Privatkonto, ins Ausland oder per GeschenkkarteDas Gesetz sieht ein Bankkonto oder Depot auf deinen Namen vorAblehnen
Gebühr für die Besichtigung oder Buchung über TripAdvisor oder AirbnbEine gefälschte Buchungs- oder ZahlungsseiteKeine Links aus dem Chat verwenden
Kontakt nur per WhatsApp, Bewerbung über ein Formular per LinkDatenklau mit einem falschen FormularDie Verwaltung über ihre eigene Website kontaktieren
Dieselben Fotos in einem anderen InseratKopiertes oder gekapertes InseratFotos per Bild-Rückwärtssuche prüfen
Warnzeichen bei Wohnungsinseraten

Was sagt das Mietrecht zur Kaution?

Das Obligationenrecht ist hier eindeutig (Art. 257e OR): Leistest du eine Sicherheit in Geld, muss der Vermieter sie bei einer Bank auf einem Sparkonto oder Depot hinterlegen, das auf deinen Namen lautet. Bei Wohnungen darf er höchstens drei Monatszinse verlangen. Die Bank gibt das Geld nur mit Zustimmung beider Parteien oder gestützt auf einen rechtskräftigen Zahlungsbefehl oder ein rechtskräftiges Gerichtsurteil heraus. Wer die Kaution auf sein eigenes Konto überwiesen haben will, verlangt also etwas, das das Gesetz so nicht vorsieht.

3 Monatszinse

Höchstbetrag der Mietkaution bei Wohnungen

Art. 257e Abs. 2 OR

Dein Konto

Die Kaution liegt bei einer Bank auf einem Sparkonto oder Depot, das auf deinen Namen lautet

Art. 257e Abs. 1 OR

0 Franken

Was du vor der Besichtigung bezahlen solltest

Rat von BACS und Polizei

So prüfst du Inserat und Vermieter

  1. 1

    Die Wohnung besichtigen

    Persönlich oder durch jemanden, dem du vertraust. Die Polizei rät: keine Monatsmiete und keine Kaution, bevor eine Besichtigung stattgefunden hat.

  2. 2

    Die Fotos zurückverfolgen

    Eine Bild-Rückwärtssuche zeigt, ob die Fotos schon in einem anderen Inserat, mit einer anderen Adresse oder bei einem Verkauf auftauchen.

  3. 3

    Die Verwaltung selbst anrufen

    Such die Liegenschaftsverwaltung oder Agentur unabhängig und ruf die Nummer auf ihrer Website an, nicht die aus dem Inserat oder dem Chat. Frag, ob es die Wohnung und die Kontaktperson gibt.

  4. 4

    Nummer und Mailadresse prüfen

    Eine Schweizer Verwaltung mit ausländischer Handynummer, einer VoIP-Nummer ohne Vorgeschichte oder einer frisch angelegten Gratis-Mailadresse ist ein Grund, aufzuhören.

  5. 5

    Das Portal informieren

    Melde verdächtige Inserate dem Portal, damit sie verschwinden, bevor jemand anderes bezahlt.

Für den Kontakt eignet sich eine Rückwärtssuche zur Nummer und eine E-Mail-Prüfung zur Adresse, für die Fotos die Bild-Rückwärtssuche. Die Ergebnisse sind mögliche Treffer, und die Person erfährt nichts davon. Wichtig: StoryCheck ist keine Auskunftei. Die Ergebnisse dürfen nicht für Entscheidungen über die Vermietung einer Wohnung verwendet werden, also etwa nicht, um Mietinteressenten zu überprüfen.

Schon bezahlt oder Dokumente verschickt?

  1. Sofort die Bank anrufen und versuchen, die Zahlung zu stoppen oder zurückzuholen.
  2. Anzeige bei der Polizei erstatten, mit Inserat, Chatverlauf und Zahlungsbelegen.
  3. Das Portal über das Inserat informieren, damit es gelöscht wird.
  4. Hast du Ausweiskopien verschickt, erwähne das in der Anzeige ausdrücklich. Das BACS empfiehlt, kopierte Identitätsdokumente der zuständigen Stelle zu melden.
  5. Verdächtige Mails und gefälschte Rechnungen kannst du an cybercrimepolice.ch weiterleiten.

Häufige Fragen

Darf ein Vermieter eine Kaution vor der Besichtigung verlangen?

Seriöse Vermieter tun das nicht, und BACS wie Polizei raten klar davon ab, vor einer Besichtigung Miete oder Kaution zu bezahlen. Die Kaution gehört zum Mietvertrag und kommt auf ein Bankkonto oder Depot, das auf deinen Namen lautet.

Wie hoch darf die Mietkaution in der Schweiz sein?

Bei Wohnungen höchstens drei Monatszinse (Art. 257e OR). Der Vermieter muss sie bei einer Bank auf einem Sparkonto oder Depot hinterlegen, das auf den Namen der Mieterin oder des Mieters lautet.

Der Vermieter ist im Ausland und schickt die Schlüssel per Post. Kann das echt sein?

Genau diese Geschichte nennt das BACS als typisches Merkmal von Fake-Inseraten. Ohne Besichtigung vor Ort und ohne überprüfbare Verwaltung bezahlst du nichts, egal wie plausibel die Erklärung klingt.

Ich wurde per WhatsApp auf ein Bewerbungsformular geschickt. Ist das normal?

Vorsicht. Die Polizei warnte im April 2026 genau vor dieser Masche, bei der Betrüger im Namen echter Agenturen per WhatsApp auf ein falsches Formular verweisen und ganze Bewerbungsdossiers abgreifen. Kontaktiere die Agentur über ihre offizielle Website und frag nach.

Wo melde ich ein Fake-Inserat?

Beim Portal, auf dem das Inserat steht, damit es gelöscht wird. Wurde bereits Geld überwiesen, rufst du zuerst die Bank an und erstattest dann Anzeige bei der Polizei. Verdächtige Mails und Rechnungen kannst du zudem an cybercrimepolice.ch weiterleiten.

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Die Prüfung ist privat und dauert etwa 60 Sekunden. Die Person erhält keine Benachrichtigung und erfährt nichts davon.

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