Ping-Anrufe: Nicht zurückrufen, sperren, melden
Vom StoryCheck Team · 6 Min. Lesezeit · Veröffentlicht am
Ein Ping-Anruf ist ein Lockanruf: Jemand lässt dein Handy von einer meist ausländischen Nummer nur kurz klingeln und legt auf, bevor du abnehmen kannst, damit du zurückrufst. Das Klingeln selbst kostet dich nichts, teuer wird erst dein Rückruf, oft zu einer Auslandsnummer mit Bandansage, die dich möglichst lange in der Leitung halten soll. In Deutschland gilt deshalb: nicht zurückrufen, die Nummer sperren und der Bundesnetzagentur melden.
Wie funktioniert ein Ping-Anruf?
Die Bundesnetzagentur, bei der in Deutschland die Beschwerden über Rufnummernmissbrauch landen, beschreibt das Muster so: Eine unbekannte Nummer ruft an, es klingelt nur kurz, ein Gespräch kommt nicht zustande. Ziel ist allein dein Rückruf zu einer teuren Nummer. Wer zurückruft, hört oft eine Bandansage, die ihn dazu bringen soll, die Verbindung möglichst lange zu halten. Die Verbraucherzentrale nennt Kosten von bis zu 3 Euro pro Minute.
Besonders tückisch sind Vorwahlen, die deutschen Ortsnetzen ähneln. Die Bundesnetzagentur nennt selbst ein Beispiel: Die Vorwahl von Madagaskar, 00261, sieht fast so aus wie 0261, die Ortsvorwahl von Koblenz. Wer auf dem Display nur eine Ziffernfolge sieht, denkt an einen Anruf aus Koblenz und ruft zurück. Achte deshalb auf den Anfang: Beginnt die Nummer mit + oder 00 und folgt darauf nicht die 49, kommt der Anruf aus dem Ausland.
Welche Vorwahlen stecken hinter Ping-Anrufen?
Einen guten Anhaltspunkt liefert die Bundesnetzagentur. Mit Bescheid vom 20. Februar 2024 hat sie angeordnet, dass Mobilfunkanbieter vor Anrufen zu 56 ausländischen Vorwahlen eine kostenlose Preisansage schalten müssen, vor allem zu Ländern in Afrika, Osteuropa und im pazifischen Raum. Damit sollen genau die teuren Rückrufe verhindert werden, die Ping-Anrufe provozieren. Die Pflicht gilt bis zum 1. März 2027. Hörst du nach dem Wählen eine solche Ansage, kannst du das Gespräch kostenfrei beenden.
| Vorwahl | Land oder Netz | Was du wissen solltest |
|---|---|---|
| +216 (00216) | Tunesien | Von der Verbraucherzentrale als Beispiel für Ping-Anrufe genannt |
| +257 (00257) | Burundi | Ebenfalls ein Beispiel der Verbraucherzentrale |
| +261 (00261) | Madagaskar | Leicht zu verwechseln mit 0261, der Vorwahl von Koblenz |
| +225 (00225) | Elfenbeinküste | Auf der Liste mit kostenloser Preisansage im Mobilfunk |
| +231 (00231) | Liberia | Auch auf der Liste der Bundesnetzagentur |
| +881, +882, +883 | Satelliten- und internationale Netze | Gehören zu keinem einzelnen Land und stehen ebenfalls auf der Liste |
Die Liste zeigt, wo die Preisansage gilt. Das heißt nicht, dass jeder Anruf mit einer dieser Vorwahlen Betrug ist: Wer Familie oder Geschäftspartner in einem dieser Länder hat, bekommt von dort auch echte Anrufe. Entscheidend ist das Muster: kurzes Klingeln, unbekannter Absender, keine Nachricht auf der Mailbox.
Was tust du nach einem Ping-Anruf?
- 1
Nicht zurückrufen
Auch nicht aus Neugier und nicht mit einem schnellen Tipp in der Anrufliste. Die Verbraucherzentrale rät klar, solche Nummern auf keinen Fall zurückzurufen, wenn du keinen Anruf aus dem jeweiligen Land erwartest.
- 2
Die Nummer sperren
Sperr die Nummer im Handy oder im Router, dann kommen von ihr keine Anrufe und SMS mehr. Vor einem versehentlichen Rückruf schützt die Sperre allerdings nicht, darauf weist die Verbraucherzentrale ausdrücklich hin.
- 3
Der Bundesnetzagentur melden
Über das Online-Formular für Ping-Anrufe, zu finden unter bundesnetzagentur.de/aergermitrufnummern. Die Behörde braucht die angezeigte Rufnummer, Datum und Uhrzeit und eine möglichst genaue Beschreibung, auch ob du zurückgerufen hast. Ohne angezeigte Nummer kann sie eine Beschwerde nicht bearbeiten.
- 4
Teure Bereiche sperren lassen
Die Bundesnetzagentur empfiehlt zusätzlich, den eigenen Anbieter zu bitten, teure Rufnummernbereiche wie (0)900 unentgeltlich zu sperren. Das schützt dich vor teuren Rückrufen auf deutsche Premium-Nummern.
Schon zurückgerufen? Das kannst du jetzt tun
Prüf deine nächste Telefonrechnung oder bei Prepaid dein Guthaben. Nach § 67 des Telekommunikationsgesetzes (TKG) kannst du eine Rechnung oder eine Abbuchung von Prepaid-Guthaben innerhalb von acht Wochen beanstanden; die Verbraucherzentrale bietet dafür Musterbriefe an. Schau außerdem in die Maßnahmenliste der Bundesnetzagentur unter bundesnetzagentur.de/massnahmenliste. Steht die Nummer dort mit einem Rechnungslegungs- und Inkassierungsverbot, musst du diese Verbindung laut Verbraucherzentrale nicht bezahlen.
Steht die Nummer noch nicht auf der Liste, meldest du sie trotzdem. Die Bundesnetzagentur kann Nummern abschalten, Rechnungen und Inkasso verbieten und unter bestimmten Voraussetzungen anordnen, dass bereits kassierte Entgelte erstattet werden. Hast du vom Handy eine der 56 Vorwahlen der Liste angerufen, greift außerdem die Preisansage: Legst du während der Ansage auf, entstehen dir keine Kosten.
Was tut die Bundesnetzagentur gegen Ping-Anrufe?
85.158
Beschwerden zu Rufnummernmissbrauch
bei der Bundesnetzagentur im Jahr 2025
rund 6.200
abgeschaltete Rufnummern
im Jahr 2025
über 2.000
Nummern mit Rechnungs- und Inkassoverbot
im Jahr 2025
Diese Zahlen umfassen jede Form von Rufnummernmissbrauch, nicht nur Ping-Anrufe; am häufigsten beschwerten sich Verbraucherinnen und Verbraucher 2025 über SMS- und Messenger-Spam sowie belästigendes Anrufverhalten. Sie zeigen aber, dass Meldungen etwas bewirken. Entscheidend ist die angezeigte Nummer: Ohne sie hat die Behörde keinen Ermittlungsansatz, mit ihr kann sie abschalten und Rechnungen stoppen.
Wann hilft es, die Nummer zu prüfen?
Bei einem eindeutigen Ping-Anruf aus Madagaskar oder Tunesien brauchst du keine Rückwärtssuche: Die Vorwahl ist die Antwort. Eine Prüfung lohnt sich, wenn eine Nummer halb vertraut wirkt, wenn sie dir zusätzlich per SMS oder WhatsApp schreibt oder wenn ein kurzer Anruf von einer gewöhnlichen Handynummer kommt und du wissen willst, ob ein Rückruf sicher ist. Eine Rückwärtssuche zeigt in etwa 60 Sekunden das Land, die Anschlussart (Mobilfunk, Festnetz oder VoIP), wo bekannt den Netzbetreiber, ob die Nummer bei WhatsApp aktiv ist, und Betrugssignale. Der Inhaber der Nummer erfährt davon nichts.
Wie deutsche Nummern aufgebaut sind und welche Bereiche Geld kosten, erklärt unser Ratgeber zu den Handyvorwahlen in Deutschland. Ruft dieselbe Nummer immer wieder an, hilft Wer ruft mich ständig an? weiter, und alle übrigen Warnsignale findest du unter Ist diese Nummer Betrug?.
Häufige Fragen
Kostet ein Ping-Anruf etwas, wenn ich nicht zurückrufe?
Nein. Das kurze Klingeln kostet dich nichts, Geld verdienen die Täter erst an deinem Rückruf. Deshalb ist die wichtigste Regel so einfach: Unbekannte Auslandsnummern nach einem kurzen Klingeln nicht zurückrufen.
Ich habe eine Ping-Nummer zurückgerufen. Muss ich zahlen?
Nicht unbedingt. Beanstande die Kosten innerhalb von acht Wochen nach Erhalt der Rechnung (§ 67 TKG). Steht die Nummer in der Maßnahmenliste der Bundesnetzagentur mit einem Rechnungslegungs- und Inkassierungsverbot, musst du diese Verbindung nicht bezahlen. Melde den Anruf zusätzlich der Bundesnetzagentur.
Wo melde ich Ping-Anrufe in Deutschland?
Bei der Bundesnetzagentur über das Online-Formular für Ping-Anrufe (bundesnetzagentur.de/aergermitrufnummern). Gib die angezeigte Nummer, Datum und Uhrzeit an und ob du zurückgerufen hast. Ohne angezeigte Nummer kann die Behörde nicht tätig werden.
Warum sieht die Nummer aus wie eine deutsche Vorwahl?
Weil manche Auslandsvorwahlen deutschen Ortsnetzen ähneln. Die Bundesnetzagentur nennt als Beispiel Madagaskar: 00261 sieht fast aus wie 0261 für Koblenz. Achte auf + oder 00 am Anfang; folgt darauf nicht die 49, ist es eine ausländische Nummer.
Hilft es, die Nummer zu blockieren?
Ja, gegen weitere Anrufe und SMS von genau dieser Nummer. Vor einem versehentlichen Rückruf schützt die Sperre nicht. Teure Bereiche wie (0)900 kannst du zusätzlich bei deinem Anbieter unentgeltlich sperren lassen.
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Eine private Prüfung dauert etwa 60 Sekunden. Die Person wird nicht benachrichtigt.
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