Rückwärtssuche

Wohnungsbetrug erkennen: Fake-Anzeigen durchschauen, bevor du zahlst

Vom StoryCheck Team · 5 Min. Lesezeit · Veröffentlicht am

Wohnungsbetrug erkennst du meist an einem wiederkehrenden Muster: Die Wohnung ist auffällig günstig, der angebliche Vermieter kann nicht zur Besichtigung kommen, und bevor du die Räume gesehen hast, sollst du Kaution, Miete oder eine Ausweiskopie schicken. Daraus folgt die wichtigste Regel für die Wohnungssuche in Deutschland: kein Geld und keine Ausweiskopie, bevor du die Wohnung von innen gesehen und einen Vertrag mit einer überprüften Person hast.

Grafik: Drei Prüfungen, die eine Wohnungsanzeige bestehen muss, bevor Geld fließt
Erst besichtigen, dann die Person prüfen, dann zahlen. Nie umgekehrt.

Wie funktioniert der Betrug mit Fake-Wohnungen?

Die Verbraucherzentrale beschreibt den Klassiker so: Der angebliche Eigentümer meldet sich, sagt, er sei im Ausland und könne nicht zur Besichtigung kommen, und bietet an, den Schlüssel per Post oder über einen Mittler zu schicken, natürlich erst nach einer Zahlung. Manchmal soll die Abwicklung über Plattformen wie Airbnb, eBay oder booking.com laufen, die für solche Mietverträge gar nicht gedacht sind. Andere Täter wollen vor allem eine Kopie deines Personalausweises als E-Mail-Anhang.

Das Landeskriminalamt Niedersachsen warnt vor Tätern, die seriöser auftreten: Sie geben sich mit gestohlenen Identitäten als echte Makler oder Vermieter aus, und die angebotenen Wohnungen gibt es nicht oder sie sind längst vermietet. Kaution oder erste Miete sollen vorab fließen, den Schlüssel soll angeblich ein Paketdienst oder eine Agentur bringen. Eine Variante arbeitet mit einer „kontaktlosen Einzelbesichtigung“: Du bekommst einen Code für einen Schlüsselkasten und besichtigst allein, danach folgen eine Bestätigung am Telefon und ein Mietvertrag, den du online unterschreiben sollst.

Woran erkennst du eine Fake-Wohnungsanzeige?

WarnsignalWarum es verdächtig istWas du tust
Miete deutlich unter dem örtlichen MietspiegelDer Preis soll dich zu einer schnellen Entscheidung bringenMit dem Mietspiegel deiner Stadt vergleichen
Vermieter im Ausland, Schlüssel per PostDas klassische Muster, vor dem die Verbraucherzentrale warntNur weitermachen, wenn dir jemand vor Ort aufschließt
Kaution oder Miete vor Besichtigung und VertragDie Kaution ist gesetzlich erst zu Beginn des Mietverhältnisses fälligNichts vorab überweisen
Ausweiskopie per E-Mail, bevor es einen Vertrag gibtMit deinen Ausweisdaten können Täter deine Identität missbrauchenKeine Kopie schicken
Zahlung über Airbnb, eBay, booking.com oder auf ein Konto im AuslandDiese Wege passen nicht zu einem normalen MietvertragAblehnen
Fotos oder Anzeigentext tauchen woanders aufKopierte Anzeige, oft mit anderen KontaktdatenBilder rückwärtssuchen, Sätze aus dem Text in Anführungszeichen googeln
Es fehlen Angaben wie Warm- und Kaltmiete oder der EnergieausweisEchte Anzeigen enthalten diese StandardangabenGezielt nachfragen
Die Warnsignale auf einen Blick

Was darf ein Vermieter vorab verlangen?

Das Mietrecht liefert dir einen klaren Maßstab. Nach § 551 BGB darf die Kaution höchstens drei Monatsmieten ohne Betriebskosten betragen, und du darfst sie in drei gleichen monatlichen Raten zahlen. Die erste Rate ist erst zu Beginn des Mietverhältnisses fällig. Wer die volle Kaution verlangt, bevor du die Wohnung überhaupt gesehen hast, weicht also deutlich vom gesetzlichen Normalfall ab.

Auch für den Ausweis gibt es klare Regeln: Nach § 20 des Personalausweisgesetzes darf dein Ausweis nur mit deiner Zustimmung kopiert werden, die Kopie muss eindeutig und dauerhaft als Kopie erkennbar sein, und wer sie bekommt, darf sie nicht an Dritte weitergeben. Schick eine Kopie deshalb frühestens, wenn der Vertrag steht, und kennzeichne sie deutlich als Kopie. Für Zahlungen gilt, was Kleinanzeigen in seinen Sicherheitshinweisen schreibt: niemals per Western Union, PaySafe, MoneyGram oder Bargeld im Briefumschlag.

Wie prüfst du Anzeige und Vermieter?

  1. 1

    Vor Ort besichtigen

    Mit einer Person, die einen Schlüssel hat und dir die Wohnung zeigt. Keine Besichtigung, kein Geld.

  2. 2

    Die Fotos rückwärtssuchen

    Mit einer umgekehrten Bildersuche siehst du, ob dieselben Bilder schon in anderen Anzeigen, unter anderer Adresse oder auf Stockfoto-Seiten auftauchen.

  3. 3

    Anzeigentext und Adresse suchen

    Kopierte Anzeigen stehen oft mehrfach im Netz, mit wechselnden Namen und Nummern. Such markante Sätze in Anführungszeichen.

  4. 4

    Makler oder Hausverwaltung unabhängig anrufen

    Weil Täter die Identität echter Makler nutzen, rufst du die Firma über die Nummer auf ihrer eigenen Website an und fragst, ob Anzeige und Ansprechpartner echt sind.

  5. 5

    Nummer und E-Mail-Adresse prüfen

    Eine Rückwärtssuche zeigt, ob hinter der Nummer ein deutsches Handy, eine ausländische Nummer oder eine VoIP-Leitung steckt, ob sie bei WhatsApp aktiv ist und ob es öffentliche Spuren oder Betrugssignale gibt. Eine E-Mail-Prüfung zeigt verknüpfte Konten, Datenlecks und ob die Adresse neu oder eine Wegwerfadresse ist.

Diese Prüfungen dienen deinem Schutz vor Betrug. StoryCheck ist keine Auskunftei: Ergebnisse sind mögliche Treffer, keine Garantien, und dürfen nicht für Entscheidungen über Wohnraum, Beschäftigung, Kredite oder Versicherungen genutzt werden, also auch nicht, um Mietinteressenten zu überprüfen.

Schon gezahlt oder den Ausweis geschickt?

  • Ruf sofort deine Bank an und bitte sie, die Zahlung zurückzuholen. Garantiert ist das nicht, denn eine bereits ausgeführte Überweisung lässt sich laut Verbraucherzentrale nicht einfach rückgängig machen. Bei Western Union oder MoneyGram ist ein Rückruf möglich, solange das Geld noch nicht abgeholt wurde.
  • Erstatte Anzeige bei der Polizei, vor Ort oder über die Onlinewache deines Bundeslandes.
  • Melde das Inserat dem Immobilienportal, damit es verschwindet, bevor die nächste Person zahlt.
  • Hast du eine Ausweiskopie verschickt, gib bei der Polizei an, an wen und wann. Achte danach genau auf Post, Kontobewegungen und Verträge, die du nicht abgeschlossen hast.
  • Sichere alle Nachrichten, Screenshots des Inserats und die Zahlungsbelege.

Welche Wege es gibt, den Namen hinter einer Nummer zu finden, erklärt Name zur Telefonnummer finden. Woran du Betrugsnummern generell erkennst, steht in Ist diese Nummer Betrug?.

Häufige Fragen

Darf der Vermieter die Kaution vor der Besichtigung verlangen?

Nach § 551 BGB darfst du die Kaution in drei Monatsraten zahlen, die erste erst zu Beginn des Mietverhältnisses. Eine Forderung vor Besichtigung und Vertrag ist das typische Zeichen für Betrug. Zahl erst, wenn du die Wohnung gesehen und einen Vertrag unterschrieben hast.

Der Vermieter ist im Ausland und schickt den Schlüssel per Post. Kann das seriös sein?

Die Verbraucherzentrale nennt genau dieses Muster als klassische Betrugsmasche. Bestehe auf einer Besichtigung mit jemandem vor Ort. Ist das angeblich unmöglich, ist die Sache für dich erledigt.

Soll ich eine Kopie meines Personalausweises schicken?

Nicht bevor ein Vertrag steht. Mit Ausweisdaten können Betrüger deine Identität für illegale Geschäfte nutzen. Ist eine Kopie nötig, muss sie nach dem Personalausweisgesetz deutlich als Kopie erkennbar sein, und der Empfänger darf sie nicht weitergeben.

Wo melde ich eine Fake-Wohnungsanzeige?

Beim Portal, auf dem das Inserat steht, und bei der Polizei. Hast du schon gezahlt, informiere zuerst deine Bank und erstatte dann Anzeige, vor Ort oder online über die Onlinewache.

Kann ich einen Vermieter mit StoryCheck überprüfen?

Du kannst die Telefonnummer oder E-Mail-Adresse eines Kontakts prüfen, um dich vor Betrug zu schützen: Anschlussart, Land, WhatsApp-Aktivität, öffentliche Spuren und Betrugssignale, jeweils als mögliche Treffer. Umgekehrt dürfen Vermieter StoryCheck nicht nutzen, um Mietinteressenten auszuwählen.

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