Anruf von falschen Polizisten: So erkennst du die Masche
Vom StoryCheck Team · 6 Min. Lesezeit · Veröffentlicht am
Anrufe von falschen Polizisten und anderen angeblichen Behörden sind die Betrugsmasche, die in der Schweiz am häufigsten gemeldet wird: 2025 betrafen 26 Prozent der knapp 65’000 Meldungen an das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) solche Anrufe. Die echte Polizei verlangt am Telefon nie Geld, holt keine Wertsachen ab und will keinen Zugriff auf deinen Computer. Leg auf und ruf die Polizei über 117 selbst an.
Welche Varianten gibt es?
Die Rolle wechselt, das Ziel bleibt: Geld, Wertsachen, Daten oder Zugriff auf dein E-Banking. Diese Varianten haben das BACS, fedpol, die Schweizerische Kriminalprävention (SKP) und die Polizei seit 2024 beschrieben:
| Variante | So läuft sie ab | Woran du sie erkennst |
|---|---|---|
| Bandansage mit «Taste 1» | Eine Computerstimme, oft auf Englisch, behauptet, deine Bankdaten seien im Zusammenhang mit einer Straftat aufgetaucht. Nach der Taste 1 übernimmt ein Betrüger und will Fernzugriff und dein E-Banking | Keine Behörde ruft an, um auf dein Gerät zuzugreifen |
| Schockanruf | Ein angeblicher Polizist oder Staatsanwalt meldet, ein Angehöriger habe einen schweren Unfall verursacht, und verlangt sofort eine Kaution | Schock und Geldforderung im selben Gespräch |
| Einbrecherbande im Quartier | Falsche Polizisten wollen Bargeld und Schmuck «in Sicherheit bringen» und schicken einen Boten vorbei | Die Polizei holt nie Wertsachen ab |
| Falsche Mitarbeitende von BACS oder BAKOM | Dein Gerät sei gehackt oder deine Telefonnummer werde gesperrt. Nach dem Fernzugriff standen Komplizen teils sogar vor der Haustür | Drohungen mit Konsequenzen am Telefon |
| Fake-Busse im Namen von fedpol | Eine Mail zu einer angeblich unbezahlten Busse, zahlbar innert 72 Stunden; die verlinkte Seite fragt nach AHV-Nummer und Kartendaten | Link, knappe Frist, Kartendaten |
| Mail wegen eines Strafverfahrens | Absender angeblich fedpol, eine Kantonspolizei, Europol oder sogar eine Bundesrätin, mit dem Vorwurf, du hättest Websites mit illegalen Inhalten besucht | Gratis-Mailadresse, Anhang, Drohung |
| «Rückholhilfe» für verlorenes Geld | Angebliche Leute von Europol, Interpol, FINMA oder BACS versprechen, Geld aus einem früheren Betrug zurückzuholen, gegen eine Gebühr | Vorauszahlung vor der angeblichen Rückzahlung |
Was tut die echte Polizei nie?
- Sie ruft nie von der Notrufnummer 117 aus an. «Die Polizei ruft niemals von der Notruf-Telefonnummer 117 aus an», hält die SKP fest. Steht 117 auf dem Display, ist die Anzeige gefälscht.
- Sie fordert am Telefon nie Geld, auch keine Kaution für einen Angehörigen.
- Sie schickt keine zivilen Mitarbeitenden vorbei, die Bargeld, Schmuck oder Bankkarten abholen. Übergib nie Wertsachen an Unbekannte, auch nicht an jemanden in einer echt aussehenden Uniform.
- Sie ruft nicht an, um Zugriff auf deinen Computer oder dein Handy zu bekommen, und lässt dich keine Fernwartungssoftware installieren.
- Und Vorsicht bei Bussen per Mail: Eine Zahlungsaufforderung mit knapper Frist und Link zu einer Seite für Kreditkartenzahlungen ist laut Polizei ein bekanntes Betrugsmuster.
Warum steht eine Schweizer Nummer oder sogar 117 auf dem Display?
Die Betrüger fälschen die angezeigte Nummer, das nennt man Spoofing. Das BACS beschrieb 2024 Anrufe, bei denen über Internettelefonie Schweizer Handynummern erschienen, die frei erfunden waren oder unbeteiligten Personen gehören können. Seit dem 1. Januar 2026 müssen die Schweizer Anbieter Anrufe aus dem Ausland, die eine Schweizer Festnetznummer tragen, kennzeichnen und bei Verdacht ohne Nummer als «unbekannt» anzeigen oder ganz blockieren. Seit dem 1. Juli 2026 gilt das auch für Handynummern.
Die Wirkung ist messbar. Laut BACS gingen von Januar bis Juni 2026 regelmässig über 400 Meldungen pro Monat zu betrügerischen Anrufen im Namen von Behörden ein; im Juli 2026, nach der Ausweitung auf Handynummern, waren es unter 100. Verschwunden ist die Masche damit nicht: Anrufe von ausländischen Nummern und Rückrufnummern in SMS bleiben möglich. Deine Regel ändert sich deshalb nicht: auflegen und selbst die offizielle Nummer wählen.
26%
aller Meldungen an das BACS betrafen 2025 Anrufe falscher Behörden
bei knapp 65’000 Meldungen insgesamt
über 400
Meldungen pro Monat zu solchen Anrufen, Januar bis Juni 2026
unter 100
Meldungen im Juli 2026, nach dem Spoofing-Schutz für Handynummern
Was tust du, wenn der Anruf kommt?

- 1
Auflegen
Du musst dich nicht rechtfertigen und keine Fragen beantworten. Die SKP sagt es mit ihrer Kampagne ganz direkt: «Legen Sie einfach auf!»
- 2
Selbst anrufen
Wähl 117 oder die Nummer deines Polizeipostens selbst. Geht es angeblich um einen Angehörigen, ruf ihn direkt auf seiner bekannten Nummer an.
- 3
Nichts installieren, nichts übergeben
Keine Fernwartung, kein Code, kein Bargeld, kein Schmuck, keine Bankkarte. Das BACS beschrieb 2026 Fälle, in denen nach dem Anruf Komplizen an der Haustür erschienen, um Wertsachen abzuholen.
- 4
Nummer und Uhrzeit notieren
Schreib auf, welche Nummer angezeigt wurde, wann der Anruf kam und was gesagt wurde. Das hilft der Polizei und dem BACS.
- 5
Eltern und Nachbarn warnen
Die Maschen zielen oft auf ältere Menschen, gerade über das Festnetz. Ein kurzes Gespräch in der Familie schützt mehr als jede technische Sperre.
Steht nach einem solchen Anruf jemand vor der Tür, der Geld, Schmuck oder Karten abholen will: nicht öffnen, nichts übergeben und sofort 117 wählen.
Wo meldest du einen falschen Polizeianruf?
- Bei der Polizei: über 117, wenn der Anruf noch läuft oder jemand vorbeikommen will, sonst mit einer Anzeige auf dem Polizeiposten. Den nächsten Posten findest du über Suisse ePolice.
- Beim BACS: über das Meldeformular auf report.ncsc.admin.ch. Nach einigen Fragen bekommst du dort eine automatisierte Ersteinschätzung; die Meldung ersetzt aber keine Strafanzeige.
- Bei deiner Bank: sofort, wenn du Daten, Codes oder Zugang preisgegeben hast.
- Bei E-Mails: Anhänge nicht öffnen, nicht antworten, Phishing auf antiphishing.ch melden oder die Mail an cybercrimepolice.ch weiterleiten.
Hilft eine Nummernprüfung bei falschen Polizisten?
Nur begrenzt, und das sollst du wissen: Eine gefälschte Nummer gehört jemand anderem oder existiert gar nicht, und keine Prüfung führt von ihr zum echten Anrufer. Sinnvoll ist eine Rückwärtssuche bei Nummern, die dich wiederholt anrufen oder die in einer SMS stehen. Sie zeigt Anschlussart, Land, wo bekannt den Anbieter und Betrugssignale, und niemand erfährt davon. Wie die verwandte Masche mit angeblichen Angehörigen läuft, liest du in Schockanruf und «Hallo Mami», und wie du wiederkehrende Anrufer einordnest, in Wer hat angerufen?
Häufige Fragen
Ruft die Schweizer Polizei an und verlangt Geld?
Nein. Die echte Polizei fordert am Telefon nie Geld und schickt keine zivilen Mitarbeitenden vorbei, um Bargeld oder Wertsachen abzuholen. Wer das verlangt, ist ein Betrüger. Leg auf und wähl im Zweifel selbst 117.
Auf meinem Display stand 117. War das die Polizei?
Nein. Laut der Schweizerischen Kriminalprävention ruft die Polizei niemals von der Notrufnummer 117 aus an, die Anzeige war also gefälscht. Leg auf und wähl 117 selbst, wenn du unsicher bist.
Eine Bandansage sagt, meine Bankdaten seien in eine Straftat verwickelt. Was tun?
Sofort auflegen und keine Taste drücken. Laut fedpol und BACS will der Betrüger nach der Taste 1 erreichen, dass du ein Fernzugriffsprogramm installierst und dich ins E-Banking einloggst, um dann Zahlungen auszulösen. Keine Behörde ruft an, um auf dein Gerät zuzugreifen.
Ich habe eine Busse von fedpol per E-Mail bekommen. Ist sie echt?
Sehr wahrscheinlich nicht. Die Polizei warnte im April 2026 vor Mails zu angeblich unbezahlten fedpol-Bussen mit einer Frist von 72 Stunden, die auf einer falschen Seite AHV-Nummer und Kartendaten abfragen. Klick keinen Link an und leite die Mail an cybercrimepolice.ch weiter.
Warum gibt es seit Juli 2026 weniger solche Anrufe?
Weil die Schweizer Anbieter seit dem 1. Juli 2026 auch Anrufe aus dem Ausland mit gefälschten Schweizer Handynummern kennzeichnen und als «unbekannt» anzeigen oder blockieren; für Festnetznummern gilt das seit Januar 2026. Laut BACS sanken die Meldungen im Juli 2026 auf unter 100, nach über 400 pro Monat im ersten Halbjahr.
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