Falscher Bankmitarbeiter am Telefon: So erkennst du den Anruf
Vom StoryCheck Team · 6 Min. Lesezeit · Veröffentlicht am
Ein falscher Bankmitarbeiter ruft an, meldet verdächtige Transaktionen und will dann einen Code, eine Bestätigung in deiner Banking- oder TWINT-App oder die Installation einer Fernwartungssoftware wie AnyDesk. Laut dem Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) fragen Banken und TWINT am Telefon nie nach Codes oder anderen vertraulichen Daten und verlangen nie, dass du eine Fernwartungssoftware installierst. Leg auf und ruf deine Bank selbst über die Nummer auf deiner Karte oder in der offiziellen App an, auch wenn auf dem Display die richtige Nummer deiner Bank stand.
Wie läuft der Anruf ab?
Oft beginnt es Stunden oder Tage vorher mit einer SMS oder E-Mail im Namen von PostFinance, TWINT oder der SBB, die dich auffordert, deine Daten zu aktualisieren. Was du dort eingibst, taucht im Anruf wieder auf: Der Anrufer kennt deinen Namen, deine Adresse und deine Bank. Auf dem Display erscheint die echte Nummer der Bank, weil sie technisch gefälscht wird. So beschreibt es die Polizei auf cybercrimepolice.ch in einem Fall vom August 2025. Die Masche ist nicht neu: Schon 2023 dokumentierte die Polizei Phishing-Mails im Namen von Raiffeisen, nach denen die Täter versuchten, den SMS-Code für die Zwei-Faktor-Anmeldung zu erhalten.
Dann folgt die Geschichte: Es gebe verdächtige Zahlungen, dein Konto sei in Gefahr. Im April 2026 beschrieb das BACS eine typische Fortsetzung. Du wirst an einen angeblichen IT-Spezialisten weitergereicht, der behauptet, dein Computer sei mit Schadsoftware infiziert, und der dich AnyDesk, TeamViewer oder ein ähnliches Programm installieren lässt. Ab diesem Moment sehen die Betrüger deinen Bildschirm, lesen Passwörter mit und bewegen sich in deinem E-Banking. Neu geben sich die Anrufer laut BACS auch als Mitarbeitende des Bundesamts für Kommunikation (BAKOM) aus und behaupten, deine Telefonnummer werde gesperrt.
Was verlangt eine echte Bank nie am Telefon?
- Codes, Passwörter oder deine PIN. Laut BACS kontaktieren dich Banken, TWINT und andere seriöse Finanzinstitute nie unaufgefordert per Telefon, E-Mail oder SMS, um vertrauliche Informationen zu verlangen.
- Eine Fernwartungssoftware. «Banken, Kreditkarteninstitute oder Behörden werden Sie niemals telefonisch dazu auffordern, Fernwartungssoftware zu installieren», schreibt das BACS. Auch UBS rät, Unbekannten niemals Fernzugriff auf den Computer zu gewähren.
- Eine Bestätigung in der App für etwas, das du nicht selbst ausgelöst hast. Die Initiative «eBanking aber sicher!» (EBAS) der Hochschule Luzern rät, Bestätigungen von Zahlungen und Einstellungsänderungen immer genau zu prüfen.
- Den Login über einen Link. PostFinance fordert dich laut eigenen Angaben nie per E-Mail zum Login auf und fragt nicht nach deinen Sicherheitselementen.
- Eine Überweisung auf ein «sicheres Konto». So ein Konto gibt es bei keiner Bank, es gehört den Betrügern.
Seit dem 1. Juli 2026 zeigen die Schweizer Anbieter Anrufe aus dem Ausland, die eine Schweizer Handynummer vortäuschen, als «unbekannt» an oder blockieren sie; für Festnetznummern gilt das seit Januar 2026. Das hilft, schützt aber nicht vollständig: Betrüger rufen auch von ausländischen Nummern an oder bringen dich dazu, selbst eine Nummer aus einer SMS zu wählen. Die Regel bleibt deshalb: auflegen und die offizielle Nummer selbst wählen.
Wie funktioniert die TWINT-Masche?
Bei TWINT reicht ein einziger Fingertipp, und genau darauf zielen drei Varianten, vor denen Polizei und BACS 2025 und 2026 gewarnt haben:
- Falscher TWINT-Support: Der Anrufer meldet verdächtige Transaktionen und bittet dich, in der echten TWINT-App eine «Verifizierung» zu bestätigen. In Wahrheit ist es eine Geldanforderung. Weil du auf keine fremde Website geleitet wirst, ist der Trick besonders schwer zu erkennen (cybercrimepolice.ch, Februar 2026).
- Die Morgenanfrage: Früh am Morgen kommt eine Geldanforderung mit dem Text «Dies ist das Geld, das ich Dir schulde». Wer schlaftrunken bestätigt, zahlt, statt zu empfangen. Das BACS erinnert daran, dass der Zahlungseingang via TWINT automatisch erfolgt und keine Bestätigung braucht.
- Der Anruf im Namen des Stromversorgers: Im Juni 2026 riefen Betrüger mit gefälschter Schweizer Nummer im Namen des ewz an, schickten eine SMS mit Link und liessen sich auf einer falschen TWINT-Seite den Code für die Übernahme des Kontos geben.
Echter Anruf oder Betrug?
| Was der Anrufer sagt | Was dahintersteckt | Was du tust |
|---|---|---|
| «Wir haben verdächtige Transaktionen festgestellt» | Der Einstieg, der Druck aufbaut | Auflegen und die Bank selbst anrufen |
| «Nennen Sie mir bitte den Code, den wir Ihnen geschickt haben» | Der Code gibt eine Zahlung oder ein neues Gerät frei | Nie vorlesen, nie eintippen |
| «Installieren Sie kurz AnyDesk, unser Techniker hilft» | Fernzugriff auf Bildschirm und E-Banking | Nichts installieren |
| «Bestätigen Sie die Verifizierung in der TWINT-App» | Eine getarnte Geldanforderung | In der App prüfen: Betrag, Empfänger, Art der Transaktion |
| «Überweisen Sie Ihr Guthaben auf ein Sicherheitskonto» | Das Konto gehört den Betrügern | Sofort auflegen |
| «Sie sehen ja unsere Nummer auf Ihrem Display» | Die angezeigte Nummer lässt sich fälschen | Die Nummer von Karte oder App wählen |
| SMS: «Abbuchung bei MediaMarkt via TWINT, rufen Sie uns an» | Callback-Betrug, laut BACS zunehmend mit Schweizer Vorwahlen wie 021, 022, 026 oder 071 | Nie die Nummer aus der Nachricht anrufen |
Was tust du, wenn du schon etwas preisgegeben hast?
- 1
Bank sofort anrufen
Über die Nummer auf deiner Karte oder in der App, bei PostFinance etwa rund um die Uhr unter +41 58 448 14 14. Lass Karten, E-Banking und TWINT sperren und verdächtige Zahlungen stoppen. Je schneller, desto besser die Chance.
- 2
Fernwartung entfernen
Hast du AnyDesk, TeamViewer oder ein ähnliches Programm installiert, deinstalliere es sofort und trenne das Gerät vom Internet, bis es überprüft ist.
- 3
Passwörter ändern
Von einem anderen, sauberen Gerät aus: zuerst E-Banking und E-Mail, dann alle weiteren Konten. Wo möglich schaltest du die Zwei-Faktor-Authentifizierung ein.
- 4
Anzeige erstatten
Bei einem finanziellen Schaden empfiehlt das BACS eine Strafanzeige bei der örtlichen Polizei. Den nächsten Polizeiposten findest du über Suisse ePolice.
- 5
Melden
Den Anruf oder die SMS kannst du dem BACS über sein Meldeformular melden. Phishing-Seiten und Phishing-Mails meldest du auf antiphishing.ch, das ebenfalls vom BACS betrieben wird.
Hilft es, die Nummer zu prüfen?
Bei einer gefälschten Nummer nur bedingt: Sie gehört jemand anderem oder deiner Bank, und keine Prüfung führt von ihr zum echten Anrufer. Nützlich ist eine Rückwärtssuche bei Nummern, die in einer SMS oder E-Mail stehen oder die dich wiederholt anrufen. Sie zeigt, ob es eine Schweizer Festnetz- oder Handynummer oder eine VoIP-Nummer ist, wo bekannt Region und Anbieter und ob sie mit Betrugsmustern auffällt. Welche Signale zählen, steht in Ist diese Nummer Betrug?, und wie die verwandte Masche mit falschen Behörden läuft, in Anruf von falschen Polizisten.
Häufige Fragen
Auf dem Display stand die Nummer meiner Bank. War der Anruf echt?
Nicht unbedingt. Die angezeigte Nummer lässt sich fälschen, und die Polizei kennt Fälle, in denen genau die echte Nummer der Bank erschien. Leg auf und ruf über die Nummer auf deiner Karte oder in der App zurück. War der Anruf echt, verlierst du dadurch nichts.
Rufen Schweizer Banken überhaupt je an?
Ja, etwa deine Kundenberaterin oder dein Kundenberater. Laut BACS verlangen Banken, TWINT und andere seriöse Finanzinstitute dabei aber nie vertrauliche Informationen wie Passwörter, PIN oder Codes und nie eine Fernwartungssoftware. Im Zweifel legst du auf und rufst selbst zurück.
Ich habe AnyDesk installiert und den Anrufer auf meinen Computer gelassen. Was nun?
Programm deinstallieren, Gerät vom Internet trennen und sofort die Bank anrufen, damit sie Zugänge sperrt und Zahlungen stoppt. Danach änderst du von einem anderen Gerät aus alle Passwörter und erstattest Anzeige bei der Polizei.
Woran erkenne ich eine falsche TWINT-Anfrage?
Geld, das du bekommst, geht bei TWINT automatisch ein, eine Bestätigung braucht es dafür nie. Musst du etwas bestätigen, fliesst Geld von dir weg. Prüf deshalb vor jedem Fingertipp Betrag, Empfänger und Art der Transaktion.
Wo melde ich einen falschen Bankanruf in der Schweiz?
Zuerst bei deiner Bank, damit sie dein Konto schützt. Zusätzlich über das Meldeformular des BACS und, wenn Geld weg ist, mit einer Strafanzeige bei der Polizei. Phishing-Seiten und Phishing-Mails kannst du auf antiphishing.ch melden.
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