Schockanruf und «Hallo Mami»: Wenn angeblich die Familie in Not ist
Vom StoryCheck Team · 7 Min. Lesezeit · Veröffentlicht am
Ein Schockanruf und die «Hallo Mami»-Nachricht sind zwei Varianten derselben Masche: Jemand gibt sich als dein Kind, dein Enkel oder als Polizei aus, schildert einen Notfall und verlangt sofort Geld. In der Schweiz stoppt eine einzige Rückfrage beide: Leg auf oder antworte nicht, und ruf die Person auf ihrer alten, dir bekannten Nummer an. Die echte Polizei verlangt am Telefon nie Geld und schickt niemanden vorbei, der Bargeld oder Schmuck abholt.
Wie läuft ein Schockanruf ab?

Beim Schockanruf meldet sich jemand als Polizist deines Wohnorts oder als Staatsanwalt. Deine Tochter, dein Sohn oder dein Enkel habe einen schweren Unfall verursacht, vielleicht mit Todesfolge, und sitze jetzt in Untersuchungshaft. Damit das Verfahren gestoppt werden könne, müsse sofort bezahlt werden. Oft ist dazu eine schluchzende Stimme zu hören, die sich als dein Kind ausgibt. Laut cybercrimepolice.ch, der Informationsplattform der Schweizer Polizei, wird diese Stimme in Einzelfällen mit künstlicher Intelligenz erzeugt.
Die Schweizerische Kriminalprävention (SKP) beschreibt weitere Rollen: einen «Arzt», der für eine dringende Operation Geld im Voraus braucht, oder einen «Anwalt», der die Tochter gegen eine bestimmte Summe aus der Untersuchungshaft holen will. Bezahlt werden soll per Überweisung, in bar, mit Schmuck und anderen Wertsachen oder in Kryptowährung. Oft soll das Geld in der Nähe deponiert oder einem angeblichen zivilen Mitarbeiter der Polizei an der Haustür übergeben werden. Genau diesen Schritt gibt es bei der echten Polizei nicht.
Die SKP fasst die Masche in einer Formel zusammen: Schock plus Geld gleich Betrug. Sobald beides im selben Gespräch vorkommt, legst du auf, egal wie echt die Stimme klingt.
Was steckt hinter «Hallo Mami, mein Handy ist kaputt»?
Die schriftliche Variante kommt als SMS, als WhatsApp-Nachricht und zunehmend als iMessage. Das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) berichtete im April 2026, dass die Betrüger verstärkt auf iMessage ausweichen: Der Versand über das Internet ist gratis und läuft nicht durch die Spamfilter, mit denen die Mobilfunkanbieter klassische SMS prüfen. Die Nachrichten stammen laut BACS fast immer von ausländischen Nummern, sehr häufig mit +63 (Philippinen) oder +212 (Marokko), oder direkt von iCloud-Adressen. Manche sind sogar auf Schweizerdeutsch geschrieben, etwa «Hoi Papi, mis Handy isch kaputt».
Nach ein paar harmlosen Sätzen kommt die Bitte: Eine wichtige Rechnung müsse dringend bezahlt werden, und das E-Banking funktioniere auf dem neuen Handy noch nicht. Eine neuere Variante zielt auf TWINT. Du sollst in der TWINT-App einen Code eingeben, der in Wahrheit eine Zahlung oder den Zugriff auf dein Konto freigibt, und danach eine PIN weiterleiten, angeblich damit dein Kind sein Handy entsperren kann. Im August 2026 warnte die Polizei zudem vor E-Mails, die wie eine WhatsApp-Benachrichtigung aussehen und dich in einen Chat mit den Betrügern locken.
Woran erkennst du beide Varianten?
| Was du hörst oder liest | Was dahintersteckt | Was du tust |
|---|---|---|
| «Ihre Tochter hatte einen schweren Unfall» | Der Schock soll dein Nachdenken ausschalten | Auflegen und die Tochter auf ihrer bekannten Nummer anrufen |
| «Die Kaution muss sofort bezahlt werden» | Zeitdruck. Die echte Polizei fordert am Telefon nie Geld | Nichts zusagen und nichts überweisen |
| «Ein ziviler Kollege holt das Geld bei Ihnen ab» | Ein Geldabholer der Bande | Nicht öffnen, nichts übergeben, 117 wählen |
| Eine schluchzende Stimme, die wie dein Kind klingt | Gespielt, in Einzelfällen mit KI erzeugt | Eine Kontrollfrage stellen oder auflegen und zurückrufen |
| «Hallo Mami, das ist meine neue Nummer» | Die neue Nummer verhindert, dass du bei der richtigen Person nachfragst | Die alte, gespeicherte Nummer anrufen |
| Absender mit +63, +212 oder einer iCloud-Adresse | Laut BACS die typischen Absender im Jahr 2026 | Nicht antworten, Absender blockieren |
| «Gib schnell den Code in der TWINT-App ein» | Der Code gibt eine Zahlung oder dein Konto frei | Nie einen Code eingeben oder weitergeben |
Was tust du, wenn der Anruf oder die Nachricht kommt?
- 1
Auflegen oder nicht antworten
«Legen Sie einfach auf!» heisst die Kampagne der SKP, und das ist wörtlich gemeint. Du musst am Telefon niemandem etwas erklären, und auf eine Nachricht von einer unbekannten Nummer musst du nicht reagieren.
- 2
Die Person selbst anrufen
Wähl die Nummer, die du schon lange gespeichert hast, nicht die neue. Erreichst du dein Kind dort, ist die Sache erledigt. Erreichst du es nicht, ruf die Partnerin oder den Partner, die Arbeitsstelle oder Freunde deines Kindes an, bevor du irgendetwas bezahlst.
- 3
Im Zweifel 117 wählen
Ruf die Polizei über 117 selbst an und schildere, was passiert ist. Wichtig: Laut SKP ruft die Polizei niemals von der Notrufnummer 117 aus an. Steht 117 auf deinem Display, war die Nummer gefälscht.
- 4
Nichts übergeben, nichts eingeben
Kein Bargeld, kein Schmuck, keine Bankkarte, keine PIN und kein Code aus einer App, auch nicht für jemanden in einer echt aussehenden Uniform.
- 5
Die Familie einweihen
Sprich mit Eltern und Grosseltern über die Masche, gerade wenn sie noch oft übers Festnetz erreichbar sind, und vereinbare mit ihnen eine Kontrollfrage, deren Antwort kein Fremder kennt.
Was tun, wenn schon Geld geflossen ist?
Dann zählt jede Minute. Das BACS hält nüchtern fest, dass verlorenes Geld nur in den seltensten Fällen zurückkommt. Die besten Chancen hast du, wenn die Bank sofort eingreift.
- Sofort die Bank anrufen und die Zahlung stoppen lassen. Hast du in TWINT einen Code eingegeben, lass auch den TWINT-Zugang sperren.
- Anzeige bei der Polizei erstatten, am besten mit telefonischer Voranmeldung auf dem Polizeiposten. Über Suisse ePolice findest du den Posten in deiner Nähe.
- Beweise sichern: die Nummer, Screenshots der Nachrichten, Datum und Uhrzeit der Anrufe und die Zahlungsbelege.
- Den Versuch zusätzlich über das Meldeformular des BACS melden. Das hilft, neue Wellen früh zu erkennen, ersetzt aber keine Strafanzeige.
- Vorsichtig bleiben, wenn sich später jemand meldet, der dir das Geld gegen eine Gebühr zurückholen will. Das ist laut BACS eine eigene Betrugsmasche: 2025 gingen dazu 462 Meldungen ein, nach 91 im Vorjahr.
Hilft es, die neue Nummer zu prüfen?
Ja, als zusätzlicher Check, nie als Ersatz für den Anruf auf die bekannte Nummer. Eine Rückwärtssuche zeigt, ob die angebliche neue Nummer deines Kindes eine Schweizer Handynummer ist oder eine ausländische Nummer, etwa mit +63 oder +212, ob es eine VoIP-Nummer ohne Vorgeschichte ist, ob sie auf WhatsApp aktiv ist und welches Profilbild dort sichtbar ist, sofern die Einstellungen es zulassen. Die Person erfährt nichts von der Prüfung, und die Ergebnisse sind mögliche Treffer, keine Garantie. Was WhatsApp selbst verrät, erklärt der Ratgeber WhatsApp-Nummer herausfinden.
Beim Schockanruf hilft die angezeigte Nummer weniger, denn sie lässt sich fälschen. Seit dem 1. Juli 2026 müssen die Schweizer Anbieter Anrufe aus dem Ausland, die eine Schweizer Handynummer vortäuschen, als «unbekannt» anzeigen oder blockieren; für Festnetznummern gilt das seit dem 1. Januar 2026. Wie die falschen Polizisten sonst vorgehen, liest du im Ratgeber Anruf von falschen Polizisten.
Häufige Fragen
Verlangt die Schweizer Polizei am Telefon eine Kaution für einen Angehörigen?
Nein. Die echte Polizei fordert am Telefon nie Geld und schickt keine zivilen Mitarbeitenden vorbei, die Bargeld oder Wertsachen abholen. Wer das tut, ist ein Betrüger: Leg auf und ruf die Polizei über 117 selbst an.
Ich habe eine «Hallo Mami»-Nachricht von einer unbekannten Nummer bekommen. Was soll ich tun?
Nicht antworten, nichts bezahlen und dein Kind auf der alten, gespeicherten Nummer anrufen. Meldet es sich dort, war die Nachricht Betrug, und du blockierst den Absender. Laut BACS kommen diese Nachrichten 2026 fast immer von ausländischen Nummern, häufig mit +63 oder +212, oder von iCloud-Adressen.
Kann die Stimme am Telefon wirklich wie mein Kind klingen?
Ja, das kommt vor. Die Polizei beschreibt schluchzende Stimmen, die sich als Familienmitglied ausgeben, und in Einzelfällen wurden sie mit KI erzeugt. Entscheidend ist deshalb nicht, wie echt die Stimme klingt, sondern ob du die Person auf ihrer bekannten Nummer erreichst.
Wo melde ich einen Schockanruf in der Schweiz?
Läuft der Anruf noch oder steht jemand vor der Tür, wählst du 117. Sonst erstattest du Anzeige bei der Polizei, am besten mit telefonischer Voranmeldung, und rufst sofort die Bank an, falls Geld geflossen ist. Zusätzlich kannst du den Versuch über das Meldeformular des BACS melden.
Warum kommen «Hallo Mami»-Nachrichten jetzt oft über iMessage?
Weil iMessages über das Internet gratis verschickt werden und nicht durch die SMS-Spamfilter der Mobilfunkanbieter laufen. Das BACS hat diese Verschiebung im April 2026 beschrieben. An deiner Reaktion ändert das nichts: Der Anruf auf die alte Nummer schlägt jede Variante.
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Finde heraus, wer wirklich hinter der Nummer steckt
Die Prüfung ist privat und dauert etwa 60 Sekunden. Die Person erhält keine Benachrichtigung und erfährt nichts davon.
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